Die Sonne sank

Die Sonne sank, der Abend naht,
Und stiller wird´s auf Straß´ und Pfad,
Und süßer Friede, Ruh´ und Rast
Folgt auf des Tages Sorg´ und Last.

Es schweigt der Wald, es schweigt das Tal:
Die Vögel schlafen allzumal,
Sogar die Blume nicket ein
Und schlummert bis zum Tag hinein.

Schon rieselt nieder kühler Tau
Auf Halm und Blatt in Feld und Au,
Im Laube spielet frische Luft,
Und Blut´ und Blume spendet Duft.

Der Abendstern mit güldnem Schein
Blickt in die stille Welt hinein,
Als rief er jedem Herzen zu:
Sei still, sei still, und schlaf auch du!

Hoffmann von Fallersleben (1854)
Musik: anonym – Volksweise – auch vertont von Gerrit Jan van Eijken (1832-1879) , und Karl Heinrich Carsten Reinecke (1824-1910)

Der Sommerabend

Eben sank die Sonne nieder
und nun wird es Abend wieder
Kühle Luft beginnt zu wehn
süße Labung träufelt nieder
und es badet sich im Tau
Halm und Blum´ in Feld und Au.

Stille wird es und es dunkelt,
Und der Abendstern schon funkelt.
Alles ist schon müd und matt,
Alles suchet Ruh und Frieden,
Nur die Nachtigall noch wacht,
Singt uns eine gute Nacht.

1845 – auf eine Melodie von Mozart

Die Sonne hat in voller Pracht

Die Sonne hat in voller Pracht
vollendet ihren Lauf,
und drüben ging, eh´ wir´s gedacht,
der liebe Mond schon auf.

Wie schreitet er am Himmel hin
So freundlich seine Bahn!
Er hat ja Gutes nur im Sinn,
Hat niemand Leids getan.

Es ist, als ob er früge zu:
Was habt ihr heut gemacht?
Er lächelt jedem freundlich zu,
Wünscht jedem gute Nacht.

Drum eine gute Nacht auch dir!
Leb wohl! Auf Wiedersehn!
Leb wohl! ´s ist so zumute mir,
Als müßt´ ich mit dir gehn.

(1843) Melodie von: Joh. Friedr. Reichardt –

Abend wird es wieder

Abend wird es wieder
Über Wald und Feld
Säuselt Frieden nieder
Und es ruht die Welt.

Nur der Bach ergießet
Sich am Felsen dort,
Und er braust und fließet
Immer, immer fort.

Und kein Abend bringet
Frieden ihm und Ruh,
Keine Glocke klinget
Ihm ein Rastlied zu.

So in deinem Streben
Bist, mein Herz, auch du:
Gott nur kann dir geben
Wahre Abendruh.

Text: Hoffmann von Fallersleben – 1837
Musik:  Johann Christian Heinrich Rinck (1770 – 1846)

Du lieblicher Stern (Der Abendstern)

Du lieblicher Stern,
du leuchtest so fern.
Doch hab´ ich dich dennoch,
von Herzen so gern.

Wie lieb´ ich doch dich
So herzinniglich!
Dein funkelndes Äuglein
Blickt immer auf mich.

So blick´ ich nach dir,
Sei´s dort oder hier:
Dein freundliches Äuglein
Steht immer vor mir.

Wie nickst du mir zu
In fröhlicher Ruh´!
0 liebliches Sternlein,
0 wär´ ich wie du!

Text: Hoffmann von Fallersleben (1835)
auf eine Schwäbische Volksweise –