Bibliothekar in Corvey

Unsere schlechten politischen Zustände

Schlechter aber als das schlechteste Wetter sind unsere politischen Zustände, so schlecht, daß man nicht einmal mehr darüber sprechen mag, weil das ganze Volk weiß, wie sie sind. Ich lege Ihnen einige Nummer der Volkszeitung bei. Es wird nicht immer nach Béranger heißen: la liberté s'en va, les rois restent, sondern vielleicht auch einmal umgekehrt.(Briefe, S. 292) 22.12.1862, Schloß Corvey, an Michael Schletterer in Augsburg

Hoffmann von Fallersleben auf Corvey

Als der Großherzog von Sachsen-Weimar die Finanzierung von Hoffmanns und Oskar Schades " Weimarische Jahrbücher für deutsche Sprache, Literatur und Kunst " einstellte, mußte sich Hoffmann - nun schon 62 Jahre alt - abermals um eine neue Tätigkeit bemühen. Durch Vermittlung seines Freundes Franz Liszt und der Prinzessin Marie von Sayn-Wittgenstein, die in Weimar eine gute Freundin von Hoffmanns Frau Ida war, konnte der Herzog von Ratibor, Fürst von Corvey, dafür gewonnen werden, Hoffmann als Bibliothekar in Corvey fest anzustellen. Im Mai 1860 nahm Hoffmann seine neue Tätigkeit auf. Im Frühjahr 1860 schreibt Ida Hoffmann in einem Brief:.. "In unserem…

Mein Kind, mein Vaterland, mein Lied

Kaum ist Hoffmann auf Corvey stirbt seine Frau an einer Totgeburt, der alte Mann muß sich vom Schicksal betrogen fühlen. Nach dem Tode seiner Frau wird ihm jetzt Deutschland wieder "zur Braut": im September 1861 schreibt er: "Das Liebste hab ich hier begraben Das Liebste, was mir Gott beschied doch blieb mir noch von seinen Gaben mein Kind, mein Vaterland, mein Lied." Und auf diese Art, vereint im patriotischen Überschwang, können sogar alte Feinde allmählich zu Verbündeten werden: Am 18. Oktober 1861, dem Krönungstage des preußischen Königs Wilhelm, heißt es bei Hoffmann in einem Trinkspruch: "Der König als deutscher Kaiser…

Kein Geld für die Kunst

Ich arbeite immer, aber nur für mich. Wissenschaftliche Werke finden keinen Verleger, der nur die baren Auslagen ersetzen möchte. Auf das Budget des preußischen Staates kann niemand mehr rechnen, wenn er nicht Degen und Gewehr trägt, denn für Wissenschaft und Kunst sind für 1861 ausgesetzt: 1000 Tlr. Das ist der Überfluß an Mangel, womit Herr von Bethmann-Hollweg dem Staate der Intelligenz unter die Arme greift ! Briefe, S. 276 29.12.1861, Schloß Corvey, an Ludwig Erk in Berlin

Die furchtbare Reaktion in allen kleinen Staaten

In Wien ist man, wie mir Reisende, die erst neulich dort waren, erzählen, über alle Maßen froh. Das kann nur sein der Humor der Verzweiflung ! Wir sind sehr ernst und bedenklich gestimmt, und so ist es auch im übrigen Deutschland. Dies unglückliche Hessen in unserer Nachbarschaft ! Die furchtbare Reaktion in allen kleinen Staaten, die durch Österreich ihren Rückhalt hat - es ist zu traurig. Und so geht es nun schon seit 1648 mit kurzen Unterbrechungen immerfort, und es läßt sich kein Ende absehen. (Briefe, S.278) 16.2.1862, Schloß Corvey, an Josef Maria Wagner in Wien

Meinen Namen nicht nennen

Meinen Namen bitte ich jedoch aus dem Spiele zu lassen. Ich habe alle Ursache, den Leuten keinen Anlaß zu geben, mich immer wieder von neuem zu verfolgen - ich habe für dies Leben gerade genug, erst im vorigen Jahre ist Herr von Borries so gnädig gewesen, mir den Besuch der Meinigen im Königreich Hannover zu gestatten, nachdem die neue Ära sich meiner nicht angenommen hatte. Es kommt ja auch auf den Namen nicht an. Wenn die Sache nichts taugt, so nützt der Name auch nichts. Daß in die Politik wieder ein bißchen Poesie kommt, ist notwendig. Der Nationalverein würde ganz…