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Am 6. April war ich wieder in Neuwied. Auf den ersten Ostertag (11. April) fiel Idas Geburtstag. Wir feierten ein Doppelfest (Hoffmanns Geburtstag ist der 2. April). Ida, von uns und ihren neuen Freundinnen beglückwünscht und beschenkt, war sehr erfreut und gerührt. Zu den mancherlei Geschenken, womit ich sie überrascht hatte, fügte ich noch ein Gedicht: " Neuer Frühling neues Leben " Zu den Freuden des Tags kam für mich noch eine unerwartete.
Noch ehe sich unsere Abendgesellschaft einfand, hatte ich die Grundzüge entworfen zu einer neuen Oper. Ich hatte diesmal meinen Stoff nicht aus der Gegenwart, sondern aus der Vergangenheit genommen und zwar nach einem alten Liede: Der Graf von Rom oder Der Graf im Pfluge . und letztere Ueberschrift für meine Oper gewählt. In den nächsten Tagen ging ich an die Ausführung und am 17. April war meine Oper vollendet. Schon in Bothfeld hatte ich fleißig an einem Hannoverschen Namenbüchlein gearbeit. Ich benutzte dazu drei auf einander folgende Jahrgänge des Hannoverschen Adreßbuches (1849. 50. 51.). Ich wollte jetzt das Büchlein vollenden. Die Arbeit war bei aller Ergötzlichkeit und Anregung doch mitunter sehr langweilig durch das oft wiederholte Durchlesen des Adreßbuches und das viele Nachschlagen in allerlei Wörterbüchern. Um dabei den guten Humor nicht zu verlieren, machte ich einige Namen-Hexameter und Namen-Lieder, z.B.:
Schiweley. Brumm. Kuckuck. Laux. Hummel. Rummel. Sanitzka Jerasch. Benjamin. Kiek. Schnuphase. Spanier. Hurkuck.
Boedeker. Blievernicht. Schlu Stock. Stille. Wanke. Tovote Klinck. Klapp. Klopp. Prasuhm. Pretzsch. Pampel. Nottes. Malortie
( auf die Melodie: Freut euch des Lebens )
Meyrose. Kuemmel Finck. Geier. Stieglitz. Strauss Pfannkuche. Rindfleisch. Specht. Elster. Gauss. Kohl. Stuempel. Wurst. Pabst. Vette. Frass. Bierschwale. Glaeser. Kanne. Maas. Hengst. Wallach. Kracke. Bock. Schaaf. Wolf. Hundt. Hase. Jaegers. Wehmuth.
Bald darauf erschien das Büchlein unter dem Titel: " Hannoversches Namenbüchlein . Einwohner-Namen der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover, nach ihrer Bedeutung geordnet und erläutert von Hoffmann von Fallersleben.‹ ( Hannover . Carl Rümpler . 8°. XVII. 66 SS.)
Wenn auch mein Büchlein nicht in so manchen Kreisen freundliche Aufnahme gefunden hätte, so würde ich mich doch getröstet haben, Einem Manne hatte es große Freude gemacht, nämlich dem es gewidmet war: ›Karl Gödeke zur Erinnerung an die Märztage 1852 in Hannover.‹ Hoffmann von Fallersleben in: Mein Leben - 1852: Hoffmann von Fallersleben und seine Frau Ida vom Berge leben in Neuwied am Rhein . Im Mai wird ihre Tochter Johanna Maria Friederike geboren, die von Geburt an schwer krank ist. Im August wird Hoffmann von der Polizei aus Trier ausgewiesen, Jacob Grimm nähert er sich wieder an und Wilhelm Grimm verbittet sich den Kontakt. Ansonsten schreibt und veröffentlicht Hoffmann fleissig. |