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Den folgenden Tag (21. August) mache ich einen Spaziergang um die halbe Stadt. (Trier) Als ich zurückkehre, sagt man mir, ich solle zur Polizei kommen. Ich gehe sofort hin. Herr Polizeidirector Zillgen fragt mich nach allem Möglichen, Vor-, Zunamen, Alter, Religion, ob verheirathet, wieviel Kinder, wen ich kenne, u. dgl. Endlich frage ich ihn, ob meinem Hierbleiben etwas entgegenstehe? Er antwortet: nein, und ich empfehle mich. Sonntag 22. August. Ich bleibe auf meinem Zimmer. Um 11 tritt der Polizeicommissar Bergmann ein mit noch einem Polizisten: ›Ich muß Ihnen anzeigen, daß Sie aus Mangel einer Legitimation binnen. 24 Stunden die Stadt zu verlassen haben.‹ Ich speise zu Mittag, zahle und gehe mit leichtem Gepäck zum Thore hinaus. Draußen setze ich mich in einen Omnibus, fahre für 1 Sgr. eine weite Strecke und gehe dann an der linken Moselseite zu Fuß weiter. Im Fährhause Schweich gegenüber übernachte ich.
Montag 23. August. Früh munter, um das Dampfschiff nicht zu versäumen. Kaum bin ich reisefertig, so erscheint der Herr Bergmann mit dem Bürgermeister von Schweich . Der arme Mann hat mich die ganze Nacht gesucht, während ich in süßem Schlafe lag. ›Ich habe den Auftrag, Sie nach politischen Schriften zu untersuchen.‹ Gut. Ich öffne meine Reisetasche und hole ein Stück nach dem anderen hervor: Hemd, Jacke, Strümpfe, dann die vor 32 Jahren in Trier genommene Abschrift des Theophilus und die Abbildung der Porta nigra. ›Sie haben auch eine Brieftasche.‹ Auch die lege ich vor mit allen einzelnen Zettelchen. Die ›politischen Schriften‹ sind einige preußische Cassenanweisungen, einige Reisenotizen, einige Kinderlieder, ein paar bezahlte Rechnungen und ein Postschein. Endlich findet er noch einen angefangenen Brief, der mit folgenden Worten endigt: ›Das Thal lag wunderschön beleuchtet vor mir und ich sang eben so froh wie vor 32. Jahren:
Auf den Bergen lebt man frei Da gibt´s keine Polizei. (...)
Das große Werk ist vollendet und ich kann frei meiner Wege gehen. Ich besteige das Dampfschiff, welches eben ankommt. Es hat sich um eine Stunde verspätet, weil es wegen der Fahndung auf mich eine Stunde später abfahren mußte. Ich werde von allen Seiten freundlich begrüßt. Ueber die mir zugefügte Unbill führte ich weiter keine Beschwerde – was hätte ich auch von einem Kleist-Retzow erwarten können? Dennoch blieb ich eine Antwort nicht schuldig, sie erfolgte schon am 25. August in dem Gedichte: " Ich bleib in meinem Vaterlande. "
1852: Hoffmann von Fallersleben und seine Frau Ida vom Berge leben in Neuwied am Rhein . Im Mai wird ihre Tochter Johanna Maria Friederike geboren, die von Geburt an schwer krank ist. Im August wird Hoffmann von der Polizei aus Trier ausgewiesen, Jacob Grimm nähert er sich wieder an und Wilhelm Grimm verbittet sich den Kontakt. Ansonsten schreibt und veröffentlicht Hoffmann fleissig. |