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Den ganzen Januar arbeitete ich sehr fleißig an der Geschichte des Kirchenliedes und der Fortsetzung der Horae Belgicae . Von Berlin hatte ich mir meine beiden früheren niederländischen Liederhandschriften kommen lassen und eine Abschrift des wichtigsten Theils derselben vollendet. Ich hoffte jetzt für meine hymnologischen Studien noch Manches von Bonn und Köln. Den 30. Januar trat ich meine Reise an. 1–13. Februar in Köln.
Dort besuchte ich Dr. Eberhard von Groote und wurde sehr freundlich empfangen; er lud mich ein, bei ihm zu bleiben. Ich entschloß mich schnell und blieb, und so verlebte ich denn mit ihm und seiner Familie vierzehn sehr angenehme Tage.
Groote freute sich sehr, daß wir uns in demselben Fache litterarischer Thätigkeit begegneten. Er war ein begeisterter Verehrer der alten lateinischen Lieder seiner Kirche, er pflegte die ihm besonders lieb und werth gewordenen in stillen Stunden früh Morgens und Abends zu singen, und widmete dieser ganzen kirchlichen Dichtung große Aufmerksamkeit. Er hatte sich eine alte Sammlung geliehen, eine prachtvolle Handschrift vom J. 1358 " ecclesiae Mariae ad gradus " und die schönsten Lieder daraus abgeschrieben. Als er sah, wie eifrig ich mich mit der Hymnologie befaßte, verehrte er mir seine Abschrift. Er war überhaupt sehr mittheilend, alle seine Handschriften und Bücher stellte er mir zu beliebiger Benutzung. Einen noch größeren Dienst erwies er mir aber dadurch, daß er mir die Wallrafschen Bücher zugänglich machte.
Der Karneval war um die Zeit in vollem Gange, aber ich kann nicht sagen, daß ich an Allem was ich sah und hörte einen sonderlichen Geschmack hätte finden können. Die hanswurstliche Hochzeit, die am Faschingsmontag durch einen großen Wagenzug dargestellt wurde, war so matt, daß auch nicht die bescheidensten Ansprüche Befriedigung hätten finden können. Der einzige Witz war noch, daß Louis Napoleon erschien. Er fuhr aber kaum hundert Schritte, da hieß ihn die Polizei seinen kaiserlichen Schnurbart abnehmen und mit seinem Zettel heimfahren.
Am 14. Februar nahm ich Abschied vom Grooteschen Hause. Ueber den Erfolg meiner Reise und die genußreichen Stunden war ich sehr erfreut und dankerfüllt. Um einen Beweis dieser Stimmung Herrn von Groote zu geben, widmete ich ihm eine kleine Schrift, die mir besonders zur Kenntniß der Latinität des Mittelalters nicht unwichtig schien: " Epistola Adami Balsamiensis ad Anselmum. Ex codice Coloniensi edidit Hoffmannus Fallerslebensis. Neowidae " |