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Dr. Zarncke hatte seine Eltern besucht. Wir waren öfter beisammen und hatten Vieles besprochen. Er reiste den 12. Januar wieder nach Berlin.
Dort trat er mit Bettina von Arnim in Verbindung, welche noch immer mit dem Plane umging, den Erlös ihres Buches " Ilius Pamphilius und Ambrosia " dazu zu verwenden, um die von Hoffmann für seine Bibliothek geforderte Kaufsumme von 2000 Rb. demselben sicher zu stellen. In seinem Briefe an Hoffmann vom 30. Januar 1848 spricht Zarncke die zuversichtliche Hoffnung aus, daß Ostern 1849, wenn die Buchhändlerzahlungen eingegangen sind, die 200 Rb. für Hoffmanns Bibliothek zur Verfügung stehen. In demselben Briefe teilt Zarncke mit, daß Bettina den zweiten Teil ihres Buches mit einem Aufsatz über Hoffmann beginnen wolle, und bittet daher den Dichter um nähere Angaben für diese Arbeit. ( Anmerkungen von Gerstenberg ) Ich suchte nun Alles, was mir für Zarncke's Zwecke geeignet schien, zusammen und schickte es ihm schon den 3. Februar mit einem [5] langen Briefe, worin ich auf dieses und jenes noch aufmerksam machte. Daß ich damals schon damit umging, Mein Leben zu schreiben, erhellt aus folgender Stelle: ›Beifolgende Sammlung theile ich Ihnen unter der Bedingung mit, daß ich nach nicht zu langer Zeit, also spätestens Anfang Aprils, Alles wieder erhalte, jedes Blättchen, jedes Zettelchen. Sie wissen, daß ich seit Jahren damit umgehe, selbst meine Erlebnisse zu schreiben. Da ich jetzt nicht weiß, was ich Alles dazu brauche, so muß ich das Gesammelte vollständig beisammen halten.‹
Da in dem Zarnckeschen Anliegen von meiner Poesie gar nicht die Rede war, so hatte ich mich darüber zunächst ausgesprochen und zwar also: "In der ersten Zeit meines dichterischen Auftreten (1821) haschte ich nach jeder öffentlichen Aeußerung, ohne mich jedoch weiter dadurch bestimmen zu lassen. Das zeigt die Sammlung meiner Gedichte vom Jahre 1827. Da ich mich nie um die Journalistik kümmerte und früh schon eine amtliche Stellung einnahm, so war das schon Anlaß genug für die Tagesschriftsteller, mich als einen Unzünftigen schlecht zu machen und bei jeder Gelegenheit zu necken und zu zausen. Trotzdem hatte sich nach und nach die Journalistik zur Anerkennung bequemt und ließ sich im Jahre 1834, als meine Gedichte in einer neuen zweitheiligen Sammlung erschienen, zu einer Besprechung und Würdigung herab und beehrte mich sogar hie und da mit Lob."
"Meine ganze Poesie mußte damals und muß auch noch jetzt den Leuten wunderlich erscheinen. Sie ist reine Lyrik und dazu rein deutsche und will auch weiter nichts sein, unzertrennlich vom Gesang; sie hat sich allen Beziehungen auf das Ausland und das classische Alterthum von jeher fern gehalten, und verschmäht allen rhetorischen Prunk und allen sententiösen Wortschwall; sie knüpft historisch da an, wo die alte Volkspoesie in ihrer Blüthe war (16. Jahrhundert)"
Dazu merkt Hoffmann an: Niemals habe ich geglaubt, es noch zu erleben, daß ein Litterarhistoriker diese Ansicht oder auch nur eine ähnliche in Bezug auf meine Poesie aussprechen würde. Um so mehr muß es mich überraschen, daß sich jetzt nach vielen Jahren Vilmar, dem die Kritik gründlich selbständige Studien, seinen Blick, geistvolle Auffassung und frische, lebendige Darstellung zugesteht, und den man bei seinem religiösen und politischen Standpunkte doch gewiß nicht einer Parteilichkeit für mich zeihen kann, daß sich derselbe Vilmar in seinem neuesten Buche: " Handbüchlein für Freunde des deutschen Volksliedes " (Marburg 1867) S. 81 ff. über meine Landsknechtslieder in diesem Sinne ausspricht.
Meine Poesie in ihrer ganzen Eigenthümlichkeit hat noch niemand zum Gegenstande besonderer Betrachtung gemacht und daran ist auch wol lange nicht zu denken. Vilmar wäre vielleicht am besten dazu geeignet, wenn ihn nicht seine politische und religiöse Richtung zu befangen machte. Einige Recensenten und Kritiker der neueren Zeit waren auf der rechten Fährte, lenkten aber da ab wo sie weiter gehen sollten, Rosenkranz und Hillebrand z.B. hätten leicht etwas Besseres, Treffenderes sagen können; andere ließen sich durch politische Ansichten gänzlich verblenden.
Zusammenfassung von Gerstenberg : Schon am 11. Februar meldet Zarncke, daß Bettina im zweiten Theil ihres Buches ausführlich über Hoffmann handeln und das Ganze dann dem König vorlegen will, um seine Theilnahme für den Dichter zu erwecken. Endlich liegt im Nachlaß noch ein dritter Brief Zarnckes vom 2. März 1848 über diese Angelegenheit vor. Hier zeigt sich bereits ein Umschwung, Zarncke klagt, daß auf Bettina gar zu wenig Verlaß sei, daß sie lieber in stündlich neuen Entwürfen herumvagiere, als etwas Bestimmtes energisch wolle. Weiter liegt über die Sache im Nachlaß nichts vor, und offenbar ist auch nichts erfolgt. Bei Bettina war vermuthlich das Feuer der Begeisterung schnell verflogen, und ihr Plan, wie so mancher andere, wurde nicht in die That umgesetzt. Vielleicht machte es auch der buchhändlerische Mißerfolg ihres Buches der Bettina unmöglich, Hoffmann in der angedeuteten Weise zu unterstützen
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