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Unpolitische Lieder sind Makulatur (März 1848)

1848-03-10

Biographie 1840 bis 1849 - Der Revoluzzer 1848 - Revolution in Deutschland

Die politische Aufregung war bei uns sehr groß und wurde durch die wichtigen Berichte der Zeitungen täglich gesteigert. Was bisher in Mecklenburg geschah, schien uns zu wenig; wir wollten eine raschere, selbst mäßigen Wünschen genügendere Entwickelung. Leider waren damit unsere Freunde nicht einverstanden und einer meinte sogar, man müsse die Bewegung dämpfen.

Am 14. März reiste ich nach Hamburg. Zunächst trieb mich dorthin der Wunsch, den politischen Nachrichten näher zu sein und auch die Volksstimmung kennen zu lernen. Ich fand Gelegenheit mit und bei meinen Freunden und Bekannten viel Neues zu erfahren, von Augenzeugen und aus Zeitungen. Am 19. März Mittags hörte ich zuerst von den Berliner Ereignissen und Abends nach 10. Uhr auf dem Bahnhofe die Bestätigung. Am 21. las ich den preußischen Amnestieerlaß und beschloß sofort meine Abreise. Den 22. besuchte ich noch Julius Campe. Er schenkte mir ein Exemplar meiner Unpolitischen Lieder und bemerkte dabei mit jener ihm eigenen unnachahmlichen wohlwollend lächelnden Miene: ›Die Unpolitischen Lieder sind jetzt Maculatur!‹

Ich ging dann über Hagenow und Schwerin nach Holdorf. Ich fand einen Brief von Erk vor, der unter den frischen Eindrücken der Ereignisse vom 18. und 19. März geschrieben war. Darin heißt es denn unter anderm:

›Es ist eine schöne Zeit, in der wir leben. Kommen Sie zu uns und helfen mit Ihrem Rath und mit Ihrer Gesinnung, um das Vaterland zu stärken. Die Ruhe in Holdorf ist zwar schön, aber sie wird aufgewogen durch andere und viel wichtigere Rücksichten gegen das Vaterland. In Preußen sitzen jetzt viele Männer am Ruder, die Ihnen wohlwollen. Bedenken Sie, daß Sie noch eine Fülle von Kraft besitzen, die dem Vaterlande geopfert werden muß. Für Männer Ihrer Gesinnung ist es nicht mehr an der Zeit, sich als müßige Zuschauer zu geberden. Vereinigt müssen sie wirken, weil es noch Tag ist. Also heran, werther Freund, und gezeigt, daß Sie noch immer der Alte geblieben sind! Ein »grimmiges« Vivat steht Ihnen nicht mehr zu erwarten.‹

Bald darauf schrieb mir Diesterweg und lud mich ein, an der Nationalzeitung mitzuarbeiten". In Mecklenburg werden derweil die 20 Forderungen des mecklenburgischen Volkes veröffentlicht, an den Hoffmann mitgewirkt hat.

in: Mein Leben -



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1848-03-10

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Hoffmann von Fallersleben

Hoffmann von Fallersleben - Verfasser des Deutschlandliedes, seit 1922 die deutschen Nationalhymne. Autor von Kinderliedern, revolutionären Gedichten im Vormärz, Sprachforscher und Bibliothekar.

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