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Hoffmann bleibt noch bis zum 23. Februar in Geisenheim, bis zur Abreise
Gustavs nach Amerika. Er nutzt die Zeit für ein paar Ausflüge, ansonsten sitzt
er bei dem kalten Winter zu Hause und schreibt sich seine Wut vom Leibe:
Schwefeläther heißt die nächste Sammlung politischer Gedichte.
Interessanterweise "vergißt" er, sie in "Mein Leben" zu
erwähnen:
Schwefeläther, Freisingen, bei Michel und Sohn, 1857. In Bezug auf Druckort
und -jahr sowie Verlag, die fingiert sind, schreibt Hoffmann an J. M. Wagner:
"Daß ich den Schwefeläther in "Mein Leben" vergessen habe,
wundert mich sehr. Da ich mit Zensur nirgend politische Lieder damals drucken
konnte, so versuchte ich es ohne Zensur. Mein Freund Hoff (in Mannheim) scheute
den Teufel nicht, noch weniger die Polizei. Damit die Sache doch nicht so leicht
ausgekundschaftet würde und auch noch später den Reiz der Neuheit behielte,
hatten wir 1847 in 1857 verwandelt. Wer hätte denken können, daß die Lieder
noch nach zehn Jahren ihre Geltung behaupten würden!" Die Sammlung
enthält 27 Lieder.
Einige Tage bleibt Hoffmann in Mannheim "im engsten Verkehre mit den
badischen Volksfreunden." Dann reist er mit Itzstein nach Heidelberg und
verliebt sich dort in die 22jährige Tochter des Hofrats Kapp, bis 1844
Professor der Philosophie und später Mitglied der liberalen Partei in der
zweiten badischen Kammer, aber auch diese Liebe wird nicht erwidert.
10. März, Stuttgart: "Gustav Schwab, jetzt Oberkonsistorialrat, wohnt
unglaublich hoch. Er kennt mich kaum wieder und kann sich nicht genug wundern
über Freiligraths "Ca ira - das sind Gedichte, die wird selbst ein
Hoffmann von Fallersleben nicht billigen." H. läßt dies unwidersprochen
Zwei Tage später in Tübingen bei 14 Grad minus, ein weiterer vergeblicher
Versuch, seine Bibliothek zu verkaufen. Von Nathusius erfährt er, daß Bettina
von Arnim sich in Berlin der Sache annimmt. Er trifft den Komponisten Friedrich
Silcher, "sehr erfreulich." Essen mit Ludwig Uhland , wieder ein
Ständchen der Studenten: "Wenn heut ein Geist herniederstiege"
13. März, zurück in Stuttgart. Es wird über Dingelstedt hergezogen,
Hoffmann hat zwei Spottgedichte über den "Seligen kosmopolitischen
Nachtwächter" verfaßt, er will sie drucken lassen, da sie großen Anklang
finden, aber die Zensur schreitet ein. So werden sie illegal auf schlechtem
Papier gedruckt. Man nimmt Dingelstedt allgemein übel, daß er jetzt bei Hofe
ist. 22.März, Abreise nach Heidelberg, herzlicher Abschied von den
Stuttgartern, zwei Monate, bis Mitte Mai ist er zu Gast bei Welcker, er wohnt
mit einer wunderschönen Aussicht und genießt die Gastfreundschaft. Zudem macht
ihn Welcker mit vielen seiner Freunde und Kollegen bekannt. Unterbrochen wird
die Idylle durch einen Besuch bei Karl Dresel in Geisenheim, der sein Geschäft
aufgeben und sein Haus aufgeben mußte. Damit war auch dieses Nest für Hoffmann
verschlossen. Umso mehr wird er das Leben in Heidelberg genossen haben.
"Der tägliche Verkehr mit Welcker und seinen Freunden gab mir immer Anlaß
und Anregung zu politischer Beteiligung, und während andere durch Gespräche
und Reden für Entscheidung irgendeiner Tagesfrage im liberalen Sinne zu wirken
suchten, mußte ich durch Trinksprüche und Lieder die Stimmung beleben. Und so
war Hoffmann ein früher Liedermacher, immer unterwegs, ein Politbarde des 19.
Jahrhunderts. "Niemand kann singen wie Du, sagte ihm Itzstein, mit dieser
Kraft, mit dieser Mimik und diesem Akzent." Welcker forderte ihn auf, sein
politisches Leben für das Staatslexikon aufzuschreiben, was er auch tat.
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