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1809
Durch hohe Abgaben, Einquartierungen und Aushebungen von Soldaten für die Armeen Napoleons leiden die Menschen immer mehr unter der französichen Besatzung. 1809 kommt es zu Aufständen Tiroler Bauern mit dem Landwirt Andreas Hofer, nach dem heute noch ein ICE benannt ist, in Norddeutschland revoltieren einige Regimenter, im Hause Hoffmanns fiebert man mit, jeder Sieg wird bejubelt, jede Niederlage beweint, die Aufständischen werden zu Helden. Zumeist erfahren sie durch die Zeitung von den Kämpfen gegen Napoleon, "In unserem Hause wurde wieder viel politisiert, ich mußte die Zeitungen vorlesen... In Hessen brach ein Aufstand aus unter Dörnberg, und etwas später zog Schill mit seiner Schar heran...Alles scheiterte. Anfang Mai fanden Dörnbergsche Flüchtlinge in unserem Hause einen Zufluchtsort. Später brachte man durch unsere Nachbarschaft Schillsche Offiziere, die in Braunschweig erschossen wurden. Wir Kinder waren begeistert für Schill,...wir waren betrübt und zugleich empört, daß ein so tapferer Soldat und entschiedener Franzosenfeind ein so schreckliches Ende nehmen mußte. Noch lange nachher lebte er in ehrendem Andenken fort, in mancher Bauernstube war sein Bild an der Tür zu sehen."
Im Sommer kämpft sich Herzog Friedrich Wilhelm, dem Napoleon das Herzogtum Braunschweig abgenommen hatte, mit seinen Husaren durch das halbe Land: "Am 1. August kam es bei Ölper zum Treffen mit seinen Gegnern. Des Abends gingen wir ins Freie, hielten das Ohr an den Erdboden gelehnt und hörten deutlich jeden Kanonenschuß und das Rottenfeuer. Des andern Tags kam die Kunde, daß sich der Herzog durch eine bedeutende Übermacht von Feinden siegreich durchgeschlagen habe. Lange Zeit noch sprach man von dem abenteuerlichen Zuge des Herzogs und seinen schwarzen Husaren mit dem Totenkopf. In vielen Händen war sein Bildnis...Aus dem nahen Braunschweig erfuhren wir alles genau,...nichts aber wurde öfter wiederholt, als daß dort wirklich Brüder gegen Brüder gefochten...Bei unseren Soldatenspielen trugen wir Papiermützen mit gemalten Totenköpfen" Doch der Kampf gegen Napoleon war verloren: "Es schien, als ob ganz Deutschland französisch werden sollte, als wir in das neue Jahr 1810 eintraten."
1810
Alt – Hannover wurde mit dem von Napoleon gegründeten Königreich Westfalen vereinigt. Im Oktober ernennen die Franzosen Hoffmanns Vater zum Bürgermeister des Cantons ernannt, der aufgrund seines Bemühens um Ausgleich bei den Franzosen angesehen ist, der ältere Bruder Daniel wird Mairie -Sekretär. "Beide Stellungen waren nur bedeutend durch die Ehre und die Gelegenheit, amtlich viel Schlimmes abzuwenden und viel Gutes zu veranlassen und zu fördern." Und die neue Regierung brachte viele Vorteile, im Bürgertum herrschte Aufbruchstimmung:
Hoffmann schreibt, Hannover hatte durch die Franzosen "Gleichheit vor dem Gesetz, mündliches und öffentliches Gerichtsverfahren, Schwurgerichte, allgemeine Konskriptions- und Steuerpflichtigkeit, freie Ausübung der verschiedenen Religionsgemeinschaften, gleiche Berechtigung der öffentlichen Ämter, Trennung von Justiz und Verwaltung, und hatte – keine Hörigkeit, keine Frohnden und Zehnten, keine Privilegien und keinen Adel. Bürger und Bauern hatten das Schlecht schnell kennen gelernt, aber das Gute noch viel schneller. Sie wußten, daß Sie sich überall einer anständigen Begegnung von seiten der Behörden zu versehen hatten, daß ihre Klagen und Beschwerden gehört werden mußten, daß ihre Prozesse schnell und billig entschieden wurden, daß sie mit einem weiland bevorrechteten Stande in gleichen Rechten und Verpflichtungen standen. So lernten sie allmählich ihre Würde als Menschen fühlen und ihre Stellung als Staatsbürger begreifen. Die hannoversche Junker- und Beamtenherrschaft war verschwunden mitsamt ihren langstieligen, groben, halblateinischen und eben deshalb unverständlichen Erlassen, ihren Bütteln und Hundelöchern, ihren Schandpfählen und Folterkammern, Galgen und Rad." Die Bürger waren mit den gleichen Rechten ausgestattet, jeder wurde mit "Mein Herr" angeredet.
Die Haltung der Bevölkerung der neuen Herrschaft gegenüber war zwiespältig, der Glaube an den Bestand der reformen war noch nicht sehr gefestigt. Gleichzeitig wurden durch Napoleons Kontinentalsperre gegen England bestimmte Waren knapp und die Preise stiegen, gleichzeitig hatte die Bevölkerung unter Soldatenaushebungen und hohen Abgaben zu leiden, nach Schilderung Hoffmanns noch viel mehr als unter der alten Regierung. Außerdem gab es jetzt eine politische Polizei: "Das öffentliche Politisieren hörte auf. Von Braunschweig wußten wir, wie gefährlich es war und werden konnte. Mancher büßte für eine unbefangene Äußerung in den Gefängnissen zu Kassel. Die geheime Polizei nämlich , diese saubere napoleonische Einrichtung, war auch in Westfalen eingerichtet und zählte mehr Eingeborene als Fremde unter ihren Helfern und Helfershelfern – ewige Schmach für den deutschen Namen !" Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Flugblätter und Anzeigen standen unter Zensur. Zwar wurde unter der Junkerherrschaft gefoltert und gemordet, aber deren Macht war offensichtlich so groß, daß sie weder eine geheime Polizei noch Zensur brauchten. "Jetzt lernten wir sie in ihrer ganzen Bedeutung kennen: beide waren die besten Mittel zur gänzlichen Unterdrückung der Wahrheit und jeder vaterländischen und freisinnigen Regung. Die geheime Polizei verbreitete Furcht und Schrecken in allen Kreisen der Gesellschaft.." Nächste Seite (2/2)  |