Breslau, 26. Dezember 1837
Lieber Freund!
So eben bin ich beschäftigt, eine Sammlung altniederländischer Schauspiele zum Druck vorzubereiten: Horae Belgicae. Pars VI. Es liegt, mir sehr daran zu erfahren, in welchem Verhaltnisse selbige zur altfranzösischen Literatur stehen. Ich bitte Sie also, mir baldigst zu melden, ob sich im Altfranzösischen weltliche Spiele vorfinden, die von. der gewöhnlichen Form der Mysterien abweichen: darum handelt es sich nur. Meine vlaemschen Comödien sind schon Comödien im modernen Sinne und eben deshalb, und weil sie noch überdies dem Anfange des 15. Jhah. Jhrh. angehören, gewiss eine Erscheinung im Gebiete der Litteratur des Mittelalters, die einzig in ihrer Art ist.
Sie erhalten anbei den Anfang eines kleineren Buches, dessen Vollendung ich auf meiner letzten Reise nicht, abwarten konnte. Ich hoffe, dass Sie mit der ihnen eigenen Gründlichkeit irgendwo, am besten in den Wiener Jahrbüchern dartun, dass dies altfrz. Gedicht die älteste Poesie der Franzosen ist und dgl. Grüssen Sie Endlicher recht herzlich und schreiben Sie mir genau, wann Ihre Frühlingsferien sind: ich werde wahrscheinlich zu Ostern nach Wien kommen. Wenn mich Endlicher zu sich einladet, nehme ich die Einladung herzlich gerne an.
Vale faveque T. T. H.F. Copitario S. V.
Das gemeinte altfrz. Gedicht ist das Lied von der heiligen Eulalia.
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