Breslauer Jahre

Ankunft in Breslau und Ehrendoktor in Leiden

Bei Meusebachs in Berlin hatte Hoffmann den Geheimen Rat Wilhelm Schulz kennen gelernt, der von der freien Stelle an der Universität in Breslau (so weit reichte das preußische Staatsgebiet) gehört hatte. Meusebach hatte vergeblich versucht ihm eine bessere Anstellung zu besorgen, Hoffmann brauchte aber eine feste Gehaltsquelle und so erhielt er am 4. März 1923 den Bescheid, daß er bei der Bibliothek in Breslau als Custos für ein Jahr auf Probe angestellt würde. Mit Reisegeld und erstem Gehalt machte er sich auf den Weg: "Breslau hatte etwas Fremdes für mich, es machte auf mich gar nicht den Eindruck einer deutschen Stadt…

Rosen und Lilien aufs Papier

"Du mußt schreiben, rief ich, schreiben, sonst glaubt niemand, daß du noch nicht an Altersschwäche gestorben bist ! Sie glauben doch auch, verehrter Freund, daß es ein Leben gibt, welches dem totsein ähnlich ist?" (Briefe, S. 36) - Und einen Tag später schreibt er erneut an Meusebach in Berlin: Ich lebe heute nach langer lieber Zeit zum ersten Male wieder auf für die frischen Natur- und Jugendtöne des Volksliedes; die Winternebel werden zu Goldwolken, und es schneiet mir Rosen und Lilien aufs Papier. Morgen, morgen können Sie lächeln und spötteln, wenn ich dem großen literarischen Karren ziehe und den Roßtäuscher…

18 Monate Probezeit

Hoffmann war angestellt worden mit einem Jahr Probezeit, es wurde ein halbes Jahr mehr, da der zuständige Bibliothekar den erforderlichen Bericht nicht nach Berlin sandte, erst mit einem neuen Oberbibliothekar erfolgte im August 1824 endlich die feste Anstellung, was ihm ein regelmäßiges Gehalt einbrachte. Noch einmal drei Monate mußte er warten, bis zur Bestallung, das nahm er persönlich. Er fühlte sich angefeindet und ungerecht behandelt. So begab er sich wieder auf eine Studienreise. Wieder zurück in Breslau wurde es nicht besser. So mußte er, der Ehrendoktor aus Leiden, das Ausleihbuch der Bibliothek führen, seine tägliche Arbeitszeit von sieben Studen nahm…

Teilnahme ist die Bedingung allen besseren Lebens

Was hab' ich von allem Leben, wenn ich's nur eine schöne Vergangenheit nennen darf ! Mir fehlt gar vieles - Teilnahme ist die Bedingung allen besseren Lebens, sein Anfang und Fortgang; und nur dies bessere Leben, man mag es sonst nennen wie man will, nenne ich Glück. Fröhlichen Mutes ertrüg ich meine mechanischen Arbeiten, womit ich jetzt so gesegnet bin, wenn ich nur ein Gegengift gegen ihre schleichend tötende Einwirkung aufweisen könnte. Gut ! ich ertrag's, und zwei Jahre noch mit christlicher Geduld, dann aber wahrhaftig nicht länger mehr. Ich bin von diesem ewigen Einerlei so stumpf und nüchtern geworden,…

Zwecklose Gesellschaft

Pfingsten 1826 machte Hoffmann Ferien und schreib einige Gedichte, die später unter dem Titel "Eintagsschönchen" veröffentlicht wurden. Er hatte wenig Freundschaften in Breslau, das gesellschaftliche Leben spielte sich in Gesellschaften ab, in die man nicht leicht hereinkam, einige davon als Nachfolge elitärer aristokratischer Vereinigungen. Freimauer werden, wie sein Bruder Daniel , fiel ihm nicht ein. Man ernannte ihn 1826 zum Ehrenmitglied der neu gegründeten Breslauer Liedertafel. Er schreib Liedertexte, die deren Mitglieder vertonten. So hatte er wenigstens etwas Anregung. Am 2. September 1826 dann gründete Hoffmann mit anderen Breslauer Künstlern, Kunstfreunden und jungen Gelehrten eine eigene Gesellschaft, die "Zwecklose Gesellschaft".…

Reise nach Österreich – Sprachforschungen

Längere Zeit hatte Hoffmann um Erlaubnis für eine längere Studienreise nachgesucht, die Erlaubnis wurde ihm im Sommer 1827 erteilt. Er reiste nach Wien, wo er eine bedeutende Handschrift vermutete, nämlich die vollständige Handschrift des Otfried aus dem 9. Jahrhundert, von der er in Bonn ja bereits Bruchstücke gefunden und herausgegeben hatte. Otfried war ein Mönch, der bereits damals, während alle anderen religiösen Schriften in Latein verfasst worden, das Leben Jesu in einer deutschen Mundart (südfränkisch) aufgeschrieben hatte. Deshalb war diese Schrift für Hoffmann so wichtig. In Wien fand er allerdings schon den Berliner Germanisten Graff bei der Arbeit vor, dennoch…