Breslauer Jahre

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Subordinationswidrig

Da erhielt ich einen Brief vom Minister, worin mir meine Bitten sehr artig abgeschlagen wurden, und - das war leicht zu verschmerzen. Aber kränken, ja empören mußte es mich, als einige Wochen später ein Schreiben des Ministeriums erfolgte, worin meine Vorstellung anmaßend und subordinationswidrig genannt wird und ich mit empfindlicheren Maßregeln bedroht werde pp. und man mir andeutet, ich müsse eine andere Vorstellung machen. Das werde ich nie tun, und kann es nie tun, weil ich mir bewusst bin, daß ich nirgends die Unwahrheit gesagt, nirgends subordinationswidrig gehandelt habe, und mag nun folgen, was da will, - besser ein ehrlicher…

Unglückliche Liebe und Revolution

Hoffmann verliebte sich in Davida von Thümen, der Tochter eunes befreundeten Breslauer Oberlandesgerichtsrats. Die Eltern waren aber nicht an einer Heirat interessiert, da Hoffmann zu wenig verdiente - Professur hin oder her. Das zog sich bis mehrere Jahre hin.. 3.2.1829, Breslau, an Meusebach in Berlin Das war der letzte schönste Traum meines Lebens, den ich diesen Morgen träumte... Warum mußt ich denn erwachen ? Hätt' ich doch nie einen freudigeren Tod sterben können ! Aber ich erwachte, und ein eben angekommener Brief (vom 27.) bewies mir klar, daß ich auch heute, so eben vor wenigen Minuten wie seit vielen Jahren…

Das Hambacher Fest wird nicht erwähnt

6.5.1831, Breslau, an Meusebach in Berlin Ich habe in Wahrheit viel gelitten, Sie wissen mehr als mancher davon, aber niemand weiß es recht, was ich gelitten habe. Die letzten beiden Jahre besonders war ich mehr tot als lebendig. Es folgte eine Zeit, eine lange Zeit, wo ich nur noch eine Sehnsucht, einen Wunsch hegte - zu sterben. Der Himmel hat es anders gewollt. Gerade wo mir das Glück am fernsten schien, trat es mir recht unter die Augen. ..ich bin wieder etwas geworden - Bräutigam, und meine Braut ist Davida von Thümen, die jüngste Tochter der Generalin von Thümen zu…

Er läse statt des Schi-King die Weinkarten und Speisezettel

Lieber Freund! Spät, aber nicht minder herzlich muss ich Ihnen noch meinen Dank sagen für die vielen freundlichen Beweise Ihrer Teilnahme. Ihnen zunächst verdanke ich den heiteren und erfolgreichen Aufenthalt zu Graz. Wenn Sie nächstens dahin schreiben, so bitte ich mich bestens zu empfehlen und alle meino Bekannten wissen zu lassen, dass ich noch oft und gern in froher dankbarer Erinnerung mit ihnen in Graz lebe. Schade, daß ich nicht, länger verweilen konnte! Es waren schöne Tage. So eben schreite ich zur Herausgabe des holländischen Gedichtes von Floris ende Blancefloer door Diederic van Assenede. Es wäre mir sehr angenehm, wenn…

Brief an Ferdinand Wolf in Wien (2)

Lieber Freund! Diesen Morgen 1/2 6 Uhr bin ich von meiner sächsischen Reise fröhlich heimgekehrt. Ich habe viele Briefe vorgefunden, so auch den Ihrigen. Ich freue mich herzlich, dass Sie mir Gelegenheit, geben, Ihnen eine kleine Gefälligkeit zu erweisen. Die begehrte von der Hagensche Schrift besitze ich selbst und lasse sie Ihnen hiermit zukommen. Ich hoffe, Sie werden dadurch ermutigt werden, andere Wünsche mir zu offenbaren. Sie dürfen überzeugt sein, dass ich gern bereit bin, mein frohes Andenken an Sie und Ihre freundliche Teilnahme zu erneuen. Die schlesische Zeitschrift liegt bereit, sagen Sie, durch wen? und sie geht sogleich ab.…

Brief an Ferdinand Wolf in Wien (3)

La Rauschen, lieb, la Rauschen Ich acht nit, wie es geht - (Wunderhorn II, 50) so möchtet Ihr wohl singen, Ihr Herren der k. k. Hofbibliothek, als ihr den armen Rauschen zum 44male in die Welt schleudertet, ins ungewisse Menschenlos, denn dieser Bruder Rausch ist mir erst vor wenigen Tagen aus Zittau zukommen. Nun, er befindet sich wohl und munter und ich habe mir seine tollen Streiche von ihm selbst erzählen lassen zu meinem besonderen Ergötzen, auch gerne vernommen, wie er so grundgelehrt ist in allerlei Sprachen und Künsten. Man sollt´s nicht glauben, wenn man´s nicht sähe. Sogar sinesisch! Das…