Ankunft in Breslau und Ehrendoktor in Leiden

Bei Meusebachs in Berlin hatte Hoffmann den Geheimen Rat Wilhelm Schulz kennen gelernt, der von der freien Stelle an der Universität in Breslau (so weit reichte das preußische Staatsgebiet) gehört hatte. Meusebach hatte vergeblich versucht ihm eine bessere Anstellung zu besorgen, Hoffmann brauchte aber eine feste Gehaltsquelle und so erhielt er am 4. März 1923 den Bescheid, daß er bei der Bibliothek in Breslau als Custos für ein Jahr auf Probe angestellt würde. Mit Reisegeld und erstem Gehalt machte er sich auf den Weg:

„Breslau hatte etwas Fremdes für mich, es machte auf mich gar nicht den Eindruck einer deutschen Stadt . In den zwar geraden, aber schmalen Straßen, zwischen hohen finstren Häusern bewegte sich langsam eine wühlige Volksmenge, darunter Kerle in schmierigen Schafpelzen, in alten Schlafröcken, Bettler in zerlumpten Kleidern, nur hin und wieder ein Mädchen in sauberem, netten Anzuge. Die öffentlichen Plätze sind viel zu klein, als daß sie sonderlichen Eindruck machen können…“

Wieder Bettler, wie schon in Köln, Breslau erscheint gar nicht als deutsche Stadt, obwohl es gerade Straßen hat. Hoffmann sieht die Dinge, aber bleibt nur an der Oberfläche in seinen Beschreibungen und das Fremde stößt ihn ab. Dann die Arbeitsstelle in der Bücherei, da prallt sein großer Lebensplan auf die Breslauer Wirklichkeit: Die Geschwindigkeit, mit der er vorging, ist beeindruckend.

Kaum angekommen findet er in der Breslauer Bibliothek einige wertvolle altniederländische Handschriften, mit denen er den ersten Band seiner Horae Belgicae“ vollendete, elf weitere sollten folgen. Er schickte das Buch mit einer Widmung versehen an die Universität Leiden, die ihn am 14. Juni desselben Jahres in Abwesenheit zum Doktor ernannte.

Die Arbeit in der Breslauer Bibliothek war nicht angenehm, vor allem aber mußte er, was die Anerkennung als Germanist betraf, wieder bei Null anfangen, wobei ihm ein Satz, den er gleich zu Beginn seiner Tätigkeit geäußert hatte, eher geschadet haben dürfte: Wie man in Berlin sagte, soll die Bibliothek ja noch sehr in Unordnung sein.“.
Im Herbst erkrankt Hoffmann an Rheuma, verbunden mit Hals- und Brustschmerzen, Leiden, die ihn von da an immer wieder quälten. Später schreibt er, daß das Einatmen der feuchtkalten Luft und des modrigen Bücherstaubes zu dieser Erkrankung geführt haben, damals war er aber erst 26 Jahre alt und noch gar nicht solange Bibliothekar.

o sehr er bis dahin Glück gehabt hatte in seinem Vorwärtskommen, bis hin zur verliehenen Doktorwürde, in Breslau war er wieder ein Niemand. „…ich mußte trachten, trachten, daß ich durch wissenschaftliche Studien die bereits eingenommene amtliche Stellung behauptete und eine bessere zu erhalten würdig erachtet würde.“ Erst einmal fährt er zu seinen Freunden nach Berlin, um sich zu erholen.