Durch den Teutoburger Wald (Germania)

Et pertransivit Clericus
Durch den Teutoburger Wald
Quid vidit ibi eminus?
Ein Mägdlein wohlgestalt

Salve mi dilectissima!
Du sollst mein Schätzlein sein!
Salve, salve Germania!
Gewiß, ich will Dich frei’n!

Quid meditaris Clerice
Was denkst Du, schäbiger Pfaff?
Caelebs papa1is, apage!
Du alter röm´scher Aff!

Sum sponsa casta, libera
Ein Herz voll Treu und Recht
Et tu romana vipera,
Du meinst es immer schlecht

Sum Caesaris – carpe viam!
Du Pfaff, Du Jammermann!
Sivis tuam Germaniam,
Frag bei Majunken an!

O Jerum, Jerum, Jerum!
O quae mutatio rerum!

Fürwahr, es ist ein Trauerspiel,
Nunc sumus vagabundi!
Wir galten viel und hatten viel:
Sie transit gloria mundi.

Jetzt bringet man uns auf den Schub,
Sancti Pii amores.
Nachruft uns jeder freche Bub
Valete, proditores!

Nun ja, zwar habt ihr uns verbannt,
Quid nobis vestra verba?
Wir brauchen ja kein Vaterland,
Adhuc messis in herba.

Das ist ein Trost, ein Süßer noch
Est mundus totus scrobis:
Hier fort, gibt’s anderswo ein Loch,
Quod et patebit nobis.

Als die Diplomaten tranken (Jusqu´ á la mer)

Als die Diplomaten tranken
„Blücher hoch und hoch das Heer!
Dem wir Freiheit jetzt verdanken
und des Friedens Wiederkehr!“
Nun, da sprach der greise Krieger
vor der Diplomatenschar
er, der mit der Zung´ ein Sieger
wie er´s mit dem Schwerte war.
„Ernten mögen unsere Erben
was wir säten in der Schlacht
Mag die Feder nicht verderben
was das Schwert jetzt gut gemacht!“
Dieses Worte möcht ich schreiben
nicht auf Erz und nicht auf Stein
nicht an Wänd´ und Fensterscheiben
nein, in jedes Herz hinein
In das Herz der Diplomaten
die am langen grünen Tisch
Deutschlands Wohl und Weh beraten
und oft stumm sind wie ein Fisch
Die in ihren eigenen Sachen
wollen schier Franzosen sein
lauter Böck´ und Schnitzer machen
wie ein Schüler in Latein
Hättet ihr doch deutsch gesprochen
denn französisch fällt euch schwer
Immer sprecht ihr nur gebrochen
von dem Rhein jusqu´á la mer.

Deutschland Deutschland (Parodie, 1900)

Deutschland, Deutschland über dieses
geht kein Land doch auf der Welt;
und weh´ jedem, der noch künftig
frech sich in den Weg uns stellt.
Unserer Rache Flammenfackel
dann den Erdenrund erhellt,
bis wir kurz und klein gehauen
alles, alles in der Welt.

Deutsch allein ist wahre Sitte,
deutsch nur wirkliche Kultur;
alle anderen Nationen
sind ja doch Barbaren nur.
Englishman, Franzos´ und Russe,
Jingo – falsch und wetterwend´sch,
gierig, grausam – mit dem Deutschen
erst beginnt der wahre Mensch.

Doch wird Deutschland uns zu enge,
wo es keinem mehr gefällt.
Wozu hat man auch Soldaten,
und wozu das viele Geld?
Quatscht nicht von den alten Grenzen,
Maas und Memel, Etsch und Belt:
Uns gehört des Rechtes wegen,
Längstens schon die ganze Welt.

Darum laßt uns Flotten bauen
über alles in der Welt,
Laßt uns stechen, laßt uns hauen,
was uns in die Klauen fällt.
Wenn nur der chines´sche Drache
blutend erst am Boden liegt,
Dann wird England, Rußland, Frankreich
und die neue Welt bekriegt.

Wenn erst vom Chinesenkuchen
wir das beste Stück errafft,
wird sogleich der deutsche Krieger
nach Amerika geschafft.
Und noch binnen vierzehn Tagen
stecken wir Columbia ein –
Ja – denn Deutschland muß noch ville,
ville, ville größer sein.

Deutsches Recht und deutsche Freiheit,
ach, was schert uns solcher Tand;
drüber lachen wir, die neuen
Deutschen mit der Eisenhand.
Nein, im Glanze der Kanonen
blühe künftig nur die Welt,
bis All – Deutschland mächtig krachend
einst in Schutt und Trümmer fällt.

Unbekannter Verfasser unter dem Titel: “  Neue deutsche Nationalhymne  “
in: Der Wahre Jacob , 9. Oktober 1900
mehr Parodien und Nachdichtungen

Die Welt steht wieder still (Schlechte Aussichten)

Die Welt steht wieder still
als wäre sie am Ziel.
Der Fortschritt, den man will,
ist nur ein Börsenspiel

Ermüdet und erschlafft
im zweifelhaften Glück
läßt Wille, Mut und Kraft
sich drängen schon zurück

O unaussprechlich Leid
fürs deutsche Vaterland,
daß unsere große Zeit
so kleine Menschen fand !

Kurz vor seinem Tode schrieb Hoffmann von Fallersleben über sein „Lied der Deutschen“

Und ich sang von Deutschland wieder,
sang in Freud und Hoffnung nur
Doch mein „Deutschland über alles“
kam und war – Makulatur

Am Bartholomäustage ,  24. August 1872 (aus dem Nachlaß)

Weh dir daß stets die Überlieferung

Weh dir, daß stets die Überlieferung
mit dir noch treibt ihr Gaukelspiel,
daß du bei allem Mühn und Geistesschwung
fern bleibst von deiner Zukunft Ziel

Die Fremde machst du dir zum Vaterland,
das Tote soll dein Leben sein,
spazierest an der Vorzeit Gängelband
in unsere neue Welt hinein

O werde deiner endlich doch bewußt,
sieh ein, was deine Zukunft ist,
daß du zum freien Manne werden mußt
und du durch dich ein Volk nur bist

Wach endlich auf, mein Volk, noch ist es Zeit,
noch winket dir der Zukunft Feld,
brich ab die Brücke zur Vergangenheit
und schaff dir eine neue Welt !

1.1.1873

Lasst uns Senefelder preisen

Lasst uns Senefelder preisen
Der den Stein der Weisen fand!
Es ist auch ein Stein der Weisen
Der als Steindruck weltbekannt

Was er sucht‘ in stillen Stunden,
Manchen Tag und manche Nacht.
Endlich hatt‘ er es gefunden
Und ein grosses Werk vollbracht.

Leichter kann es jetzt gelingen
Schnell vervielfacht jede Schrift
Jedes Bild an´s Licht zu bringen
Durch die Feder und den Stift.

Öffne deine Ruhmeshallen
Für den Mann, der das erfand
Lass ihm Lob und Dank erschallen
Freue dich, mein Vaterland

Singt ihm Dank in Jubelchören,
Heute Dank und immerdar!
Lasset alle Welt es hören,
Dass auch Er ein Deutscher war!

Wer ist der greise Siegesheld (Kaiser Wilhelm)

Wer ist der greise Siegesheld
der uns zu Schutz und Wehr
fürs Vaterland zog in das Feld
mit Deutschlands ganzem Heer?

Wer ist es, der vom Vaterland
den schönsten Dank empfing?
Vor Frankreichs Hauptstadt siegreich stand
und heim als Kaiser ging?

Du edles Deutschland, freue dich
dein König, hoch und ritterlich
Dein Wilhelm, dein Kaiser Wilhelm ist´ s!

Wer hat für dich in blut´ger Schlacht
besiegt den ärgsten Feind ?
Wer hat dich groß und stark gemacht,
dich brüderlich geeint?

Wer ist, wenn je ein Feind noch droht,
dein bester Hort und Schutz?
Wer geht für dich in Kampf und Tod
der ganzen Welt zu Trutz? –

Du edles Deutschland, freue dich,
Dein König, hoch und ritterlich,
Dein Wilhelm, dein Kaiser Wilhelm ist´ s !

Text: Hoffmann von Fallersleben am 29. Januar 1871 , Titel: Kaiser Wilhelm
Musik: Heinrich Marschners Melodie: Wer ist der Ritter hochgeehrt ?
„Wer  ist der greise Siegesheld“ im Volksliederarchiv mit Noten
(aus dem Nachlaß)

Ein trostlos Land dies Yankeeland

Ein trostlos Land dies Yankeeland
Es ist ein trostlos Land dies Yankeeland:
Die Blumen blühen, aber duften nicht,
Die Vögel flattern, aber singen nicht,
Die heimischen Trauben haben keinen Saft,
Der Winter ist sehr lang und rauh und kalt,
Und statt des Frühlings gibt es Sommer nur

Trostloser aber ist dies Yankeevolk:
Selbstsüchtig immer auf Erwerb erpicht
Versteht zu rechnen und zu spekuliern.
Und wie sein Körper stets in Arbeit ist,
So ruht sein Geist auch nie und unternimmt
Was irgend Vortheil bringt und bringen kann.

Es gönnt sich keinen weiteren Genuß,
Die Freude an der Natur, an Poesie,
An heiterer Gesellschaft ist ihm fremd.
Es kann nicht singen, kann nicht musizieren
Doch Geld verdienen, Geld besitzen, ja,
Das ist die Kunst, die es vortrefflich kann.
Wenn im Geschäft nicht ausreicht Redlichkeit,
So weiß der Yankee sich zu helfen noch:
Der Humbug hilft, und der Betrogne wird Verlacht,
und der Betrüger wird gelobt
Und ist ein smart fellow, ein Ehrenmann.

Der Yankee fühlt sich politisch frei,
Und freier als ein andres Menschenkind,
Doch fühlt er nicht, wie er ein Sklav nur ist
Von seines Stammlands Überlieferung:
Er kann im Frack nur und im Hute gehn,
Und muß der Sonntagsfeier streng Gebot Verfolgen ganz genau,
und wenn er so Der Kirch´ und seinem Gott genug gethan,
Ist er ein guter Christ und Gentleman
Sonst kann er schlecht und niederträchtig sein,
Grob, eklig, eigennützig, mitleidslos.

0 möchte doch das deutsche Element
Nicht untergehn in diesem Yankeepfuhl,
Und blühn wie eine Wasserlilie rein
Zu Gottes und des Vaterlandes Preis!

Hoffmann von Fallersleben, 26. Januar 1871.

An Schleswig-Holstein

Ja, er kam, der Tag der Rache
Und wie floh der Danebrog
als das Paar der deutschen Adler
über Schlei und Eider flog
Eure Tage sind gezählet
euer letzter Tag kommt bald
Enden wird´ s wie Sanewirke
eure schändliche Gewalt
Rühmt euch eurer alten Siege
Freut euch, wie ihr uns gequält
Recht und Freiheit habt gemordet
Eure Tage sind gezählt

Was gelebt in unseren Herzen,
mit dem Frühling ist´ s erwacht,
Deutsche Sprache, deutsche Sitte
ist erblüht in Frühlingspracht.
Und wir jubeln dankerfüllet,
treu vereint mit Herz und hand;
Gott erhalt´ uns, Gott beschütz´ uns
unser liebes Vaterland !
Gott verlässet nie die Seinen
die, wie wir im Glauben stark,
ja, er macht uns frei auf ewig,
ewig frei von Dänemark !

19. März 1864

(in : Lieder für Schleswig-Holstein1863/64 , unter dem Titel „An Schleswig-Holstein“ )

„Deutsche Sprache, deutsche Sitte ist erblüht in Frühlingspracht !“ Da läßt die zweite Strophe des Deutschlandliedes grüßen „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang.“

O Herr der Herrn erwache (Schleswig-Holstein)

O Herr der Herrn, erwache !
O bring uns einen Tag,
den einen Tag der Rache,
der alles sühnen mag !

Zertreten sind die Saaten,
die Dörfer sind verheert,
wir selber sind verraten,
entwaffnet und entehrt.

Im eigenen Lande leben
wir nur als Fremde noch,
den Fremden preisgegeben
ziehen wir der Knechtschaft Joch.

Wird wohl für uns noch werden
ein Hälmchen Hoffnung grün ?
Für uns noch mal auf Erden
der Freiheit Blümlein blühen?

O Herr der Herrn, erwache !
O bring uns einen Tag,
den einen Tag der Rache,
der alles sühnen mag !

Schleswig – Holstein 1863/1864
(in: Lieder für Schleswig-Holstein)

Umgearbeitete Fassung eines Gedichts, das Hoffmann nach der unterdrückten Revolution von 1848/1849 geschrieben hatte.