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Im Jahre 1913 (!!!) schrieb Hermann Claudius, Urenkel von Mathias Claudius, ein neues Deutschlandlied. Das Lied wurde 1916 von Wilhelm Englert vertont und 1921 uraufgeführt, der Versuch eines Neuanfangs gegen Hoffmanns auch damals schon umstrittenes Deutschlandlied:
Land der ewigen Gedanken, Deutschland, Deutschland, Jugendland! Stehe fest und sonder Wanken, Land der ewigen Gedanken, In der Zeiten Wirbelbrand.
Land der unbesiegten Liebe, Deutschland, Deutschland, Herzensland! Mitten in dem Machtgetriebe, Land der unbesiegten Liebe, Halte du in Treuen stand.
Land der schwielen harten Hände, Deutschland, Deutschland, Arbeitsland! Fühle deine Zeitenwende, Land der schwielenharten Hände, Halt den Knechtegeist gebannt.
Der Kampf für die deutsche Einheit war in der Zeit vor der Revolution 1848 /1849 dem sogenannten Vormärz, untrennbar verbunden mit dem Kampf für Bürger- und Menschenrechte. Mehr als 10 Jahre hat Hoffmann in diesem Kampf eine wichtige Rolle gespielt, seine Gedichte haben wesentlich den Gang der Ereignisse mit beeinflußt. Die Zeilen des Deutschlandliedes "von der Maas bis an die Memel, von der etsch bis an den Belt" waren 1841 nicht anmaßend und im Sinne von Eroberern gemeint und wurden auch nicht so verstanden, aber als der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert das lied am 11. August 1922, dem Jahrestag der Verfassung, mit allen drei Strophen zur Nationalhymne erklärte war die Lage völlig anders. 1920 während des Kapp – Putsches sang es die rechtsradikale Brigade Erhardt, die mit Einverständnis der Sozialdemokratie die für die Republik streikenden Arbeiter an Rhein und Ruhr niedermetzeln half. Jetzt mußte man diese Gebietsnennungen ohne weiteres als Gebietsansprüche verstehen, im Sinne von "Wir holen uns das geraubte Land zurück", und genau das haben Adolf Hitler und die NSDAP zehn Jahre später getan. Allerdings stellte Ebert in seiner Rede vor allem die dritte Strophe in den Vordergrund:
"Vor drei Jahren, am 11. August, hat sich das deutsche Volk seine Verfassung gegeben, das Fundament seiner Zukunft. Diesen Tag wollen wir, trotz aller Not der Gegenwart, mit Freude und Hoffnung begehen. An ihm wollen wir unsere Liebe zum Vaterlande bekunden, Deutschland soll nicht zugrunde gehen ! Das ist unser Schwur solange wir atmen und arbeiten können.
Wir wollen keinen Bürgerkrieg, keine Trennung der Stämme. Wir wollen Recht. Die Verfassung hat uns nach schweren Kämpfen Recht gegeben. Wir wollen Frieden. Recht soll vor Gewalt gehen. Wir wollen freiheit. Recht soll uns Freiheit bringen. Wir wollen Einigkeit. Recht soll uns einig zusammenhalten. Es soll die Verfassung uns Einigkeit, Recht und Freiheit gewährleisten.
Einigkeit und Recht und Freiheit ! Dieser Dreiklang aus dem Liede des Dichters gab in Zeiten innerer Zersplitterung und Unterdrückung der Sehnsucht aller Deutschen Ausdruck, er soll auch jetzt unseren harten Weg zu einer besseren Zukunft begleiten. Sein Lied, gesungen gegen Zwietracht und Willkür, soll nicht Mißbrauch finden in Parteikampf; es soll nicht der Kampfgesang derer werden, gegen die es gerichtet war.; es soll auch nicht dienen als Ausdruck nationalistischer Überhebung. Aber so wie einst der Dichter, so lieben wir heute "Deutschland über alles". In Erfüllung seiner Sehnsucht soll unter den schwarzrotgoldenen Fahnen der Sang von Einigkeit und Recht und Freiheit der festliche Ausdruck unserer vaterländischen Gefühle sein.
Auf viele Jahre noch werden für uns alle Festtage des Staates zugleich Tage gemeinsamer Sorge sein. Unter den furchtbaren wirtschaftlichen Folgen der letzten Ereignisse leiden nicht nur unzählige Volksgenossen. Deutsches Wissen und Deutsches Können, die Quellen unserer besten Kraft, sind schwer bedroht. Die Reichsregierung hat mir den Betrag von drei Millionen Mark aus den Mitteln zur Verfügung gestellt, die der Reichstag zum Schutze der republik bewilligt hat. Zur Hebung der Volksgesundheit durch Spiele im Freien wird eine weitere Million bereitgestellt. Aus der Geringfügigkeit dieser Summen spricht die Not unseres Landes.
Schwere Stürme sind über die junge Republik in den letzten Wochen dahingegangen. Unsere Einigkeit, unser Recht, unsere Freiheit wurden bedroht. Sie werden noch weiter bedroht sein. Wir wollen nicht verzagen. In der Not des Tages wollen wir uns freudig der Ideale erinnern, für die wir leben und wirken. Der feste Glaube an Deutschlands Rettung und die rettung der Welt soll uns nicht verlassen.
Es lebe die deutsche Republik ! Es lebe das deutsche Vaterland ! Es lebe das deutsche Volk !" Nächste Seite (2/2)  Alles über das Deutschlandlied. Entstehung, Vorgeschichte, Stimmen von Zeitgenossen und anderen Menschen, Parodien und Nachdichtungen. |