Der Verfasser von Deutschland Deutschland über alles Hoffmann von Fallersleben

www.hamborn.net


1840 - Der deutsche Rhein

Das Deutschlandlied ist ein Rheinlied

Deutschlandlied Geschichte der deutschen Nationalhymne
Seite: 1/3

    1840 – der freie deutsche Rhein

Sie sollen ihn nicht haben
den freien deutschen Rhein,
ob sie wie gierige Raben
sich heiser danach schrein

So lang er ruhig wallend
sein grünes Kleid noch trägt
so lang ein Ruder schallend
In seine Woge schlägt

Sie sollen ihn nicht haben,
den freien deutschen rhein,
so lang sich Herzen laben
an seinem Feuerwein

so lang in seinem Strome
noch fest die felsen stehn,
so lang sich hohe Dome
in seinem Spiegel sehn

Sie sollen ihn nicht haben
Den feien deutschen rhein
So lang dort kühne Knaben
Um schlanke Dirnen freien

So lang die Flossen hebet
Ein Fisch auf seinem Grund
So lang ein Lied noch lebet
In seiner Sänger Mund

Sie sollen ihn nicht haben
Den freien deutschen Rhein
Bis seine Flut begraben
Des letzten Manns Gebein

Geschrieben Ende Juli / Anfang August 1840 von Nikolaus Becker aus Geilenkirchen, erstmals veröffentlicht in der „Trierischen Zeitung“.

Das Gedicht erschien auch im „Rheinischen Jahrbuch“, mit herausgegeben von Karl Simrock und Freiligrath, hier sollte er auch zuerst erscheinen.


Der folgende Text stammt von Robert Prutz.

Der Rhein

Der deutsche Rhein – ! Wie klingt das Wort so mächtig!
Schon sehn wir ihn, den goldig-grünen Strom,
Mit heitern Städten, Burgen stolz und prächtig
Die Lurlei dort und dort den Kölner Dom!
Der freie Rhein – ! Gedächtnis unsrer Siege,
Du mit dem Blut der Edelsten getauft,
Ruhm unsrer Väter, die in heil’gem Kriege
Mit Liedern nicht, mit Schwerten dich erkauft

Ich sah ihn auch – es war ein böses Zeichen,
Novemberwolken hingen drüber hin,
Nicht strömen, nein! mich dünkt, ich sah sie schleichen,
Die goldne Flut, wie eine Bettlerin;
Als klagte sie, daß noch mit Zoll und Banden
Sie ungestraft der Fremdling knechten darf,
Daß noch ein Wort, verfälscht und mißverstanden,
Sie von des Meeres keuschem Busen warf !

Ich sah das Land — die Traube sah ich reifen,
Die rechte Milch, um Männer großzuziehn,
Ließ weit hinaus mein flammend Auge schweifen,
Dem nie ein Traumbild lieblicher erschien:
Ein lautes Echo donnernd fortzutragen
Schien Strom und Tal und Felsen mir bereit;
Doch – gradheraus! man darf das Wort nicht wagen,
Das freie Wort, ihr wißt es! ist gefeit!

Wer hat nun Recht, zu sagen und zu singen
Vom freien Rhein, dem freien deutschen Sohn?
O diese Lieder, die so mutig klingen,
Beim ew’gen Gott, sie dünken mich wie Hohn.
Ja wolltet ihr erwägen und bedenken,
Welch stolzes Wort von eurer Lippe kam,
Ihr müßtet ja das Auge niedersenken,
mit bittern Tränen, voller Zorn und Scham!

Es gilt nicht Dir, der du zuerst gesungen
Das stolze Wort vom freien deutschen Rhein
Das durch die Welt sich adlergleich geschwungen:
Dich schließ im Geist in meinen Arm ich ein!
Aus voller Brust ist dir das Lied gequollen,
Und nicht im Käfig hast du es bewahrt:
Frei fliegt es hin, wohin die Winde wollen –
Du tatest recht! und das ist Sängerart.

Euch gilt mein Ruf, ihr Fürsten und Vasallen,
In deren Händen unser Schicksal liegt! –
Euch Deutschen gilt es, nah und fern, euch allen,
Soweit ein Hauch von deutschem Munde fliegt:
Mit euch zuerst müßt ihr den Kampf beginnen!
Soll unverführt von heiserem Geschrei
Und ungetrübt des Rheines Welle rinnen,
So seid zuerst ihr selber deutsch und frei!

Denn käme nun die Stunde der Gefahren,
Die wir am Himmel dämmernd schon gesehn,
Ich meine wohl, ihr würdet bald gewahren,
Daß es nicht leicht ist, Schlachten zu bestehn.
Nicht jene Burgen werden niedersteigen,
Die Mädchen küssen, aber kämpfen nicht,
Die stummen Fische, glaubt mir, werden schweigen,
Und Ruder brechen, wo ein Reich zerbricht.

’s gibt einen andern, kräftigern Genossen
Als jene Trümmer bröckelndes Gestein:
Wer ihm den Arm, den Busen ihm erschlossen,
Der siegt durch ihn — und auch durch ihn allein!
Ein Feuer ist’s, das unauslöschlich zündet,
Ein Zauberwort, das Mauern niederreißt —
Drum frisch gewagt und euch mit ihm verbündet:
Es ist der deutsche, ist der freie Geist!

Gebt frei das Wort, ihr Herrn auf euren Thronen!
So wird das andre sich von selbst befrein.
Wagt‘s und vertraut! In allen euren Kronen,
Wo gibt’s ein hellres, edleres Gestein?
Die Presse frei! Uns selber macht zum Richter,
das Volk ist reif! – ich wag’s und sag es laut:
Auf eure Weisen baut, auf eure Dichter,
Sie, denen Gott noch Größ‘res auch vertraut ! –

Sei deutsch, mein Volk! verlern den krummen Rücken,
An den du selbst unwürdig dich gewöhnt!
Mit freier Stirn gradaufwärts mußt du blicken,
Vom eignen Mut gesittigt und verschönt.
Es kann den Fürsten selber nicht gefallen,
Dies schmeichlerisch demütige Geschlecht –
Ein offnes Auge! so geziemt es allen,
Zu Boden sieht das Tier nur und der Knecht. –

So wird’s erreicht! Und wenn in künft’gen Tagen
Das stolze Frankreich unsern Rhein begehrt,
Wir werden es mit Lächeln dann ertragen,
Dann ohne Lieder, doch die Hand am Schwert.
Denn dann gelang’s, ihn ewig fest zu flechten:
Die goldne Freiheit soll die Fessel sein!
Dann lohnt e sich, bis in den Tod zu fechten,
Dann, deutsch und frei, dann bleibt er unser Rhein!

 

Nächste Seite (2/3) Nächste Seite

Alles über das Deutschlandlied. Entstehung, Vorgeschichte, Stimmen von Zeitgenossen und anderen Menschen, Parodien und Nachdichtungen.



  Siehe auch in 2 Unterkategorien

   1841 (4 Artikel)
   1945-heute: Die Nationalhymne (4 Artikel)

Mehr in Geschichte der deutschen Nationalhymne:

1684 - 1839 (Österreich über alles) | 1840 - Der deutsche Rhein | 1841 - 21. August: Deutschland, Deutschland über alles | 1841 - 26. August: Das Lied der Deutschen | 1842 - 1874 | 1870: Deutschland über alles | 1874 bis zum ersten Weltkrieg: »Deutschland über alles» | 1900 bis zum ersten Weltkrieg | Deutschland galt dein erstes Lieben | Deutschland über alles: Oratio prom Domo (1870) | Deutschlandlied - 1922 bis 1933 | Deutschlandlied - 1933 bis 1945 | Deutschlandlied - 1933 bis 1945 II | Deutschlandlied - 1941, 26. August | Deutschlandlied - 1941, 26. August II | mehr...


Buch- und CD-Empfehlungen:


Mehr zu Fallersleben in Antiquariaten?
Mehr zu Fallersleben im Musik- und Buchhandel?
Mehr zu Nationalhymne bei ebay?


Deutschlandlied ©

Reiseportal
Geldtipps

Hoffmann von Fallersleben

Hoffmann von Fallersleben - Verfasser des Deutschlandliedes, seit 1922 die deutschen Nationalhymne. Autor von Kinderliedern, revolutionären Gedichten im Vormärz, Sprachforscher und Bibliothekar.

Informationen: - Kontakt - Impressum - Partnerseiten


Nichts gefunden? Versuchen Sie es doch auch einmal hier:

Alle Texte - so nicht anders vermerkt - Hoffmann von Fallersleben .
Bitte geben Sie, wenn Sie Texte verwenden, als Quelle an:
(Fallersleben-Archiv : http://www.von-fallersleben.de ).

Webtipp: mehr als 5000 Volkslieder