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Aus dem Bericht eines Spitzels der Hannoverschen Regierung:
"Die Doktoren Freudentheil und Holtermann aus Stade scheinen diese Zusammenkunft mit dem schon mehrere Wochen auf Helgoland gewesenen Professor Hoffmann aus Breslau , einem geborenen Hannoveraner und bekannten liberalen Poeten, verabredet zu haben. Am 21. August sind über hundert Landleute aus dem Bremenschen unter Leitung von Freudentheil und Holtermann mit einem eigens dazu gemieteten Dampfschiffe gelandet und feierlich von Gleichgesinnten unter Hoffmanns Anführung am Ufer empfangen worden. Nämlichen Tag hat die Oppositionsgesellschaft in einem Wirtshaus öffentlich zusammen geschmaust, gezecht und gesungen. Hoffmann hat mehrere schöne liberale und revolutionäre Reden mit anzüglichen Beziehungen auf die Maßregeln unserer Regierung gehalten, auch sollen viele Toaste mit verdeckten und verblümten Angriffen auf seine Majestät und Allerhöchst dero Regierung ausgebracht sein.
Freudentheils Rede hat wenig Beifall gefunden und ist er späterhin durch Trunkenheit ganz unschädlich geworden. Hoffmann hat dagegen den rauschendsten Beifall gefunden, soll auch bei jeder Gelegenheit ebenso großen Eifer für die Sache der Opposition als Geist, Gewandtheit und Beredsamkeit an den Tag gelegt haben.
Der größere Teil der Badegäste hat keinen Teil an den Treiben der Opponenten genommen, sich vielmehr mit Widerwillen und Ekel davon abgewendet. Die Landleute haben nur durch ihr wildes Lärmen und Toben die Ruhe der Insel gestört, weder einen Funken eigenen Geistes noch das entfernteste Begreifen der ihnen vordeklamierten Dinge gezeigt.
Mehrere hannoversche Badegäste, z.B. Konsistorialsekretär Wachsmuth , Dr. Haccius , Auditor Rohlfs , haben die an sie gerichtete Aufforderung zur Teilnahme abgelehnt und sich größtenteils unwillig entfernt. Die Sitzengebliebenen (worunter Kiesewetter mit einigen Landsleuten und Freunden) sind durch laute pereats gegen alle Verräter und Feiglinge verhöhnt worden."
( Quelle: Heimatbeilage des- Osterholzer Kreisblattes vom 28. Mai 1967 )
Die Königlich Hannoversche Regierung beauftragte die Landdrostei, Dr. Haccius und Dr. Wachsmuth zu vernehmen, das geschah am 22. September. Dr. Haccius will mit seiner Frau und dem Ehepaar Wachsmuth rein zum Vergnügen am 21. August mit dem Dampfschiff "Henriette´ nach Helgoland gefahren sein. Auf dem Schiff seien viele Damen und Herren gewesen, von Hamburg sei auch ein Musikverein mitgefahren. um auf der Insel für die Armen ein Konzert zu veranstalten. In ... seien dann Dr. Freudentheil und Kanxleiprokurator Holtermann mil ihren Damen, aber auch Offiziere der dortigen Garnison zugestiegen, ob I und II. mit Professor Hoffmann verabredet gewesen, wisse er nicht.
Eine große Anzahl von Landleuten aus dem Bremenschen hatte er auf dem Schiff nicht bemerkt, auch nicht gesehen, daß Freudentheil und Holtermann die Leitung gehabt, sie seien mit ihren Frauen bei der Musik als Zuhörer zu bemerken gewesen. Es sei auch eine Unwahrheit, daß das Schiff besonders gemietet sei, jeder hätte da mitfahren können. Von einer feierlichen Begrüßung durch Hoffmann habe er, Haccius, nichts bemerkt. Die Badegäste und die Einwohner hätten zur Begrüßung Spalier gebildet, und das sei ja wohl immer (auch heute noch) so üblich. Er wüßte nicht, was da auf der Insel vorgefallen sein solle. Auch vom wilden Lärm der Landleute habe er nichts gehört, vielmehr die Insel in ungestörter Ruhe vorgefunden. ( ebenda )
In Hoffmanns Lebenserinnerungen " Mein Leben " liest sich das viele Jahre später natürlich wesentlich harmoser: "Den 21. August erwarteten wir hannoversche Landsleute. Wir fuhren in einem Boote mit hannoverscher Flagge der Henriette entgegen. Kanonenschüsse meldeten uns die Ankunft unserer Freunde. Das Konversationshaus war der Versammlungsort. Nach wechselseitigen Begrüßungen nahmen wir Platz an einer langen Tafel und speisten zu Nacht. Es folgte eine Reihe von Trinksprüchen, die alle mit lautem Jubel aufgenommen wurden. Dr. Freudentheil: die gute Sache ! Ein anderer: Stüve ! Ich: die deutschen Frauen ! dann: die Unfähigen!" Dies war die Atmosphäre auf der Insel helgoland, fünf Tage bevor Hoffmann von Fallersleben den Text der späteren deutschen Nationahymne verfasste: Die hannoversche Landesregierung hatte extra einen Spitzel, einen gewissen Herrn " Kiesewetter aus St. Petersburg " — vermutlich ist das ein Tarnname für einen Agenten — nach Helgoland geschickt, der Hoffmann und seine Freunde beobachten und die Hannoversche Regierung über ihr Tun unterrichten mußte. Kiesewetter berichtete am 29. August von Norderney aus über die Zusammenkunft hannoverscher Oppositionsmitglieder auf Helgoland, die er einige Tage zuvor - am 21. und 22. August 1841 - bespitzelt hatte. (Quelle: Heimatbeilage des- Osterholzer Kreisblattes ) Vom 11. August bis zum 5. September diesen Jahres war Hoffmann von Fallersleben zur Kur auf Helgoland, wo er am 26. August 1841 das "Lied der Deutschen" dichtete, seit 1922 Nationalhymne |