Doch diese verlogene biedermeierliche Gemütlichkeit hat in sich eine böse Aggressivität im Namen der Macht des Reiches. Zunächst klingt es als stolze Großartigkeit "Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Deutschen Unterpfand". Analysieren wir, was darin liegt: Erstens: Die Reihenfolge, zugleich die Rangordnung des Wesentlichen, ist entscheidend: Einigkeit und Recht und Freiheit.
Einigkeit als Einheit Deutschlands an die Spitze gestellt, bedeutet: Zuerst Einheit, das Recht kommt hinterher, und nach dem Recht kommt noch die Freiheit. Während für ein politisches, das heißt republikanisches Denken die Sache umgekehrt liegt: Erst die Freiheit, aus ihr das Recht und dann schließlich die Einheit. Die falsche Reihenfolge in der Hymne hat die Grundgesinnung ausgesprochen. Zweitens: Wenn die Einheit, statt unter Bedingungen gestellt zu sein, zum Absoluten wird, so ist die Folge: Die Einheit der Macht als Macht hat unter allen Umständen den Vorrang. Auf Freiheit muß im Konfliktsfall verzichtet werden, das heißt praktisch: Die Freiheit des Bürgers wird der Kontrolle der Staatsführung unterzogen. Es ist nicht mehr sein Staat.
Karl Jaspers, Denkwege, 1983
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Hoffmann von Fallersleben - Verfasser des Deutschlandliedes, seit 1922 die deutschen Nationalhymne. Autor von Kinderliedern, revolutionären Gedichten im Vormärz, Sprachforscher und Bibliothekar.
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