Die Esel gingen im Leide

Gedichte mit Tieren | | 1841

Die Esel gingen im Leide,
drob staunte die ganze Welt,
weil grün noch war die Heide,
und Disteln noch trug das Feld.

Sie gingen tief gebücket
und ließen hangen das Ohr,
und hatten den Schwanz geschmücket
mit einem langen Flor.

Was hat sich denn zugetragen ?
Wir staunen und schweigen still,
und niemand weiß zu sagen,
was diese Trauer will.

Wer meldet uns jetzunder,
was diese Trauer soll ?
Wer deutet uns das Wunder ?
Hört zu, ich weiß es wohl.

Es starb im spanischen Lande
noch eh‘ ein Jahr verfloß,
vom Heilandseselstande
schon wieder ein echter Sproß

Drum gehen die Esel im Leide,
als ob verdorben das Feld,
als ob versenget die Heide
und gestorben wäre die Welt.

Juli 1841
Melodie: Es waren zwei Königskinder

Nach glaubwürdigen Reiseberichten gibt es noch bis auf den heutigen Tag in einem Dorfe der Pyrenäen eine Familie Esel, die in gerader Linie von dem Esel abstammen, auf welchem der Heiland seinen Einzug in Jerusalem hielt.