Die Unpolitischen Lieder

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Hoffmann von Fallersleben bekam allerlei Besuch auf Helgoland

Im Frühling und Sommer 1839 besuchte der Breslauer Literaturprofessor Heinrich Hoffmann von Fallersleben Österreich und die Schweiz und hatte Gelegenheit, die dortigen politischen Verhältnisse mit den vormärzlichen Zuständen in Deutschland zu vergleichen. Damals entstanden die unpolitischen Lieder, ein Tarnname für Gedichte, in denen er die üblen Erscheinungen in Staat und Gesellschaft, an Fürstenhöfen und beim Adel geißelte. Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe brachte die Gedichtsammlung heraus Auf der Rückkehr von Helgoland 1840 vereinbarte der Dichter bereits die 2. Auflage und überdies den Druck eines 2. Teiles, darin trat die revolutionäre Tendenz noch stärker hervor. Hoffmanns Gedichte fanden schnell Verbreitung…

Polizeispitzel auf Helgoland

Der Spitzel der hannoverschen Landesregierung vermerkt in seinem Bericht, daß am " 22. August, die Oppositionspartei eine geschlossene Versammlung gehalten habe, dabei seien Hoffmann, Freudentheil und Holtermann die einzigen Redner gewesen. Was dabei geredet und verhandelt sei, wisse er nicht, wolle es aber, wenn er am 2 September nach Helgoland zurückkehre schon herausbringen und berichten. Hoffmann habe ein Spottgedicht auf den "Hamburger Korrespondenten" wegen Aufnahme der die Opposition angreifenden Artikel verteilt, was großen Beifall gefunden. Er habe es auch unternommen, in mehreren öffentlichen Blättern die Sache der Opposition mit der Feder zu verteidigen." In einem Verhör durch die Landdrostei, das durch…

Wenn ich dann so einsam wandelte…

"Am 23. August kehrten die meisten Hannoveraner heim. Da Wetter war schön, schöner noch die Erinnerung an diese lieben Leute aus dem Lande Hadeln in ihrem schlichten, treuherzigen Wesen, die mir so herzliche Teilnahme bewiesen hatten. Den ersten Augenblick schien mir Helgoland wie ausgestorben, ich fühlte mich sehr verwaist. Und doch tat mir bald die Einsamkeit recht wohl: ich freute mich, daß ich nach den unruhigen tagen wieder einmal auch mir gehören durfte. Wenn ich dann so einsam wandelte auf der Klippe, nichts als Meer und Himmel um mich sah, da ward mir so eigen zumute, ich mußte dichten und…

Verachtung und Haß gegen Landesherrn und Obrigkeiten

03Hoffmann hatte sich schon von diesem Deutschland verabschiedet, er lebte und wirkte für ein neues Deutschland, sein "Vaterland": "Der Kampf ist begonnen, Frisch auf ins Gefecht!" Und der Staat nahm ihn beim Wort. Noch im September verbietet Heinke den buchhändlerischen Vertrieb der Unpolitischen Lieder für Breslau. Erstmals werden Bände seiner Gedichte von der Staatsgewalt konfisziert., "wegen seiner verderblichen Richtung." Der preußische Kultusminister Eichhorn leitet eine Untersuchung ein Kaum ist Hoffmann nach Breslau zurückgekehrt wird er vorgeladen. Er erklärt in der ersten Verhandlung am 3. November 1841, daß er sich auf keine Interpretation seiner Gedichte einlassen werde. Als Dichter schreibe er…

Das satirisch politische Lied als Waffe

"Erst seit ungefähr einem Jahr ist abermals eine politisch – literarische Macht entstanden, die zwar mit unsichtbaren Waffen ficht, aber um so tiefere Wunden den bestehenden Staatsverhältnissen schlägt, je weniger schmerzlich dieselben für den ersten Augenblick empfunden werden. Diese Waffe ist das satirisch – politische Lied, welchem durch Witz, Ironie, derber Anschauungsweise und Humor, für alle Klassen des Volkes eine unwiderstehlicher Reiz und darum ein Einfluß auf den Zeitgeist verliehen wird, der durch äußere Gewaltmittel kaum zu unterdrücken ist. Und dieser Einfluß wird um so größer und gefährlicher, je einfacher und volkstümlicher die Sprache des Liedes ist, und je wichtiger…