Gedichte

Gedichte von Hoffmann von Fallersleben:

0 daß dich Gott behüte (Mein Apfelbaum)

0 daß dich Gott behüte! Im Paradiese kaum Ein Baum wohl schöner blühte Als du, mein Apfelbaum. Ich muß den Meister loben, Der dich so schön gemacht. Zum Sträußchen dich gewoben Aus Duft und Farbenpracht. Du wunderbares Sträußchen! Könnt´ ich ein Bienchen sein, Dann wählt´ ich dich zum Häuschen Und kehrte bei dir ein. Wie lustig wollt´ ich schweben Um dich im Sonnenschein, Wie schön und herrlich leben Von deinem Blütenwein. O daß dich Gott behüte! Im Paradiese kaum Ein Baum wohl schöner blühte Als du, mein Apfelbaum.

A a a der Winter der ist da

A, a, a, der Winter der ist da. Herbst und Sommer sind vergangen, Winter, der hat angefangen, A, a, a, der Winter der ist da. E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee. Blumen blüh´n an Fensterscheiben, Sind sonst nirgends aufzutreiben, E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee. I, i, i, vergiß des Armen nie. Hat oft nichts, sich zuzudecken, Wenn nun Frost und Kält´ ihn schrecken. I, i, i, vergiß des Armen nie. O, o, o, wie sind wir alle froh wenn der Niklaus wird was bringen und vom Tannenbaum wir singen O, o, o, wie sind wir Kinder froh. U, u, u, die Teiche frieren zu hei, nun geht es wie der Wind übers blanke Eis geschwind U, u, u, die Teiche frieren zu Text: Hoffmann von Fallersleben -

Abend wird es wieder

Abend wird es wieder Über Wald und Feld Säuselt Frieden nieder Und es ruht die Welt. Nur der Bach ergießet Sich am Felsen dort, Und er braust und fließet Immer, immer fort. Und kein Abend bringet Frieden ihm und Ruh, Keine Glocke klinget Ihm ein Rastlied zu. So in deinem Streben Bist, mein Herz, auch du: Gott nur kann dir geben Wahre Abendruh. Text: Hoffmann von Fallersleben - 1837 Musik:  Johann Christian Heinrich Rinck (1770 - 1846)

Abschied der Zugvögel

Wie war so schön doch Wald und Feld wie traurig ist anjetzt die Welt Hin ist die schöne Sommerzeit und nach der Freude kam das Leid Wir wußten nichts von Ungemach, Wir saßen unterm Laubesdach, Vergnügt und froh im Sonnenschein Und sangen in die Welt hinein. Wir armen Vöglein trauern sehr, Wir haben keine Heimat mehr, Wir müssen jetzt von hinnen fliehn Und in die weite Fremde ziehn. Text: Hoffmann von Fallersleben , 1843 , geschrieben in dem Jahr, da Hoffmann aus Preußen ausgewiesen wurde und selber Berufsverbot bekam, also zum "Zugvogel" wurde - auf eine Volksliedmelodie aus Schlesien -

Ach Gott wie weh tut Scheiden

Ach Gott, wie weh tut Scheiden Von ihr, der Liebsten mein! In Schwarz will ich mich kleiden, Will alle Freuden meiden. Bis ich bei ihr mag sein. Ich will, wie Efeuranken Sich schmiegen um den Baum, So auch von dir nicht wanken In meinen Taggedanken Und nachts in meinem Traum. Leb wohl in Ruh und Frieden, Leb wohl und denke mein! Das soll, seit ich geschieden, Das soll für mich hienieden Die einzge Freude sein!

Ach hättest du vom römischen Wesen

Ach ! hättest du vom römischen Wesen und von der römischen Literatur, o Vaterland, doch nichts gelesen, nichts als die römischen Münzen nur ! Doch hat uns Rom mit seinen Waffen nimmer ein solches Leid erdacht, als mit Latein die Laien und Pfaffen über das deutsche Reich gebracht. Deutsch wird der Papst noch eher lernen, ehe ein guter Deutscher sein, als man geneigt ist zu entfernen endlich aus Deutschland das Latein.

Ach lieber guter Großpapa (Wann ist der Frühling wieder da?)

Ach, lieber, guter Großpapa, Wann ist der Frühling wieder da? Uns Kindern wird ganz angst und bang: Der Winter währt auch gar zu lang. Und als wir heute so gefragt, Da hat der Großpapa gesagt: „Ei, Kinder, wollt Ihr artig sein, So stellt er sich gar zeitig ein." Der liebe Frühling meint es gut: Was er uns doch zu Liebe tut! Er bringt den lieben Sonnenschein Und Vogelsang und Blümelein. Eichkätzchen springt, die Drossel singt, Von fern die Weidenflöte klingt, Der Kuckuck stimmet an sein Lied, Der böse Winter hört´s und flieht. Ach, lieber, guter Großpapa, Ach, wär´ doch schon der Frühling da! Wir wollen auch recht artig sein, Wie liebe, gute Kindelein. (1872)

Ach Unser Leben ist nur ein Traum (Stimme von Hüben)

Ach ! Unser Leben ist nur ein Traum, und unsere Hoffnung nur Schatten und Schaum. Wir suchen umsonst nach Freiheit und Glück und rufen umsonst den Frühling zurück, den Frühling, der unsere Zukunft enthüllt und unser Sehnen und Hoffen erfüllt. Die Wälder säuseln im Laubesgrün, die Quellen rauschen, die Blumen blühn, die Reben lüpfen die Äugelein die Vögel singen im Sonnenschein: Der Frühling kommt wieder jedes Jahr - Und Deutschland bleibt immer wie es war.26 Dieses Gedicht veröffentlichte Hoffmann noch einmal in der Sammlung " Heimatklänge " mit der geänderten ersten Zeile: "Ach! Neue Zeit, du bist nur ein Traum..." 26. Januar 1847 (in: Schwefeläther)

Ach was nützt daß ich so viel geworden

Ach ! was nützt, daß ich so viel geworden, und daß ich so vieles nenne mein ? Großer Gott, mir fehlet noch ein Orden, könntest du mir solchen doch verleih‘n ! Ja, und wär´s vielleicht auch nur ein kleiner, den der kleinste Potentat ersann; Immer besser einer doch als keiner, zierte der kleinste doch auch seinen Mann. Schöne Erfindung, daß ein kleines Zeichen so viele Ehre, Freud‘ und Glück umhüllt ! Nichts auf Erden wüßt‘ ich dem zu gleichen, was so sinnig seinen Zweck erfüllt. Wenn die Engel einst mit mir entschweben, stehen die Seel‘gen da erstaunt und stumm, Sonn‘ und Mond und alle Sterne beben, meine Seele hat den Orden um August 1840 Melodie: Wo ich sei und wo mich hingewendet

Ach wir sind zu sehr befangen

Ach ! wir sind zu sehr befangen in der eigenen Schlechtigkeit, daß wir immer noch verlangen immer nach der besseren Zeit. Doch wir wollen uns bestreben, wollen tun, wie ihr es tut, und so ganz dem Guten leben ohne allen Zweifelsmut. Und wir wollen nicht mehr streiten, wollen sehen, wie ihr es seht; O wie gut sind unsere Zeiten, und wie gut doch alles geht ! Gut ist alles, was bestehet, und wie gut, daß ihr noch bleibt, und für uns noch hört und sehet, und für uns noch denkt und schreibt ! Text: Hoffmann von Fallersleben , am 19.November 1840 - veröffentlicht in: Unpolitische Lieder II