Gedichte

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Gedichte von Hoffmann von Fallersleben:

Aus dürrem Stabe wird das Laub noch brechen

Aus dürrem Stabe wird das Laub noch brechen und auch der nackte Felsen wird noch grün. Du darfst ein Wort, ein einzig Wort nur sprechen, und unsere ganze Hoffnung wird erblüh´n Nur in der Hoffnung ruht das schön‘re Leben, die Hoffnung ist auch unser Heil und Hort, Du gibst uns alles, willst Du Hoffnung geben, und unser ganzes Hoffen ist ein Wort. O sprich Ein Wort in diesen trüben Tagen, wo Trug und Knechtssinn, Lug und Schmeichelei die Wahrheit gern in Fesseln möchten schlagen, mein König, sprich das Wort: Das…

Aus jenen grünen Büschen (Das verwüstete Dorf)

Aus jenen grünen Büschen Sah unser Dorf heraus, Da lag in Fried´ und Segen So manch Gehöft und Haus. Des wilden Feindes Beute Ward unser Hab und Gut; Und was er uns gelassen, Verzehrte Feuersglut. Jetzt irren wir wie Bettler Und heimatlos umher, Als ob auf dieser Erde Kein Glück noch Friede wär´. Der du den Kranken pflegest Und Brot dem Armen gibst, Der du den Müden bettest Und den Verstoßnen liebst — 0 laß uns bald vollenden Den kummervollen Lauf! Nimm bald in deine Heimat Die Heimatlosen auf!

Ausdruck unseres Volkes

Unsere Versammlung ist der Ausdruck unseres Volkes Schwerlich, so schlecht wie ihr gibt es kein Volk auf der Welt

Ausgelitten ausgerungen (Zum oktroyierenden 5. Dezember 1848)

Ausgelitten, ausgerungen hast du endlich, deutsches Herz - Gut, daß er einmal verklungen, dieser deutsche Freiheitsmärz ! Gut, daß wir geworden kühler, wie es zum Dezember paßt. Unsere freiheitstrunkenen Wühler waren uns von je verhaßt. Gut, daß wir jetzt ohne Zittern nehmen jedes Blatt zur Hand, uns das Leben nicht verbittern um das liebe Vaterland. Gut, daß möglich ist geworden, wie´ s zur guten Zeit doch war, zu erhalten einen Orden, oder einen Titel gar. Gott sei Dank, daß alles wieder nun zur Ordnung kehrt zurück: Nur vom Throne träufelt…

Austern und Hummersalat

Schlechte Zeiten! – Wieso? Noch essen die Herren mit Gott für König und Vaterland Austern und Hummersalat

Auswanderungslied

Unsre Fürsten hatten viel versprochen, Doch das Halten schien nicht ihre Pflicht. Haben wir denn nun soviel verbrochen, daß sie hielten ihr Versprechen nicht? Schlimmer wird es jetzt von Tag zu Tage, Schweigen ist nur unser einzig Recht: Untertanen ziemet keine Klage, Und gehorchen muß dem Herrn der Knecht. Unsre Brüder werden ausgewiesen, Mehr als alles Recht gilt Polizei. Heute trifft es jenen, morgen diesen, Jeder, jeder Deutsch' ist vogelfrei. Deutsche Freiheit lebet nur im Liede, Deutsches Recht, es ist ein Märchen nur. Deutschlands Wohlfahrt ist ein langer Friede –…

Bald fällt von diesen Zweigen (Herbstlied)

Bald fällt von diesen Zweigen Das letzte Laub herab. Die Busch´ und Wälder schweigen, Die Welt ist wie ein Grab. Wo sind sie denn geblieben? Ach, sie sangen einst so schön — Der Reif hat sie vertrieben Weg über Tal und Höh´n. Und bange wird´s und bänger Und öd´ in Feld und Hag; Die Nächte werden länger Und kürzer wird der Tag. Die Vögel sind verschwunden, Suchen Frühling anderswo; Nur wo sie den gefunden, Da sind sie wieder froh. Und wenn von diesen Zweigen Das letzte Laub nun fällt, Wenn…

Bald ist der Frühling da

Tra ri ra! Bald ist der Frühling da! Bald werden grün die Felder, Die Wiesen und die Wälder. Tra ri ra! Bald ist der Frühling da! Tra ri re! Schon schmilzet Eis und Schnee: Die Quellen rauschen wieder Von allen Bergen nieder. Tra ri re! Schon schmilzet Eis und Schnee. Tra ri ro! Jetzt sind wir wieder froh! Ja, Trost für lange Plage Verleihn die längern Tage. Tra ri ro! Jetzt sind wir wieder froh! Tra ri ru! Du lieber Frühling du, Laß uns nicht länger warten! Komm bald in…

Bankrott

Leipzig – Zentralgewalt – das ist als wollt ein Bankrotter daß ein Bankrotter ihn noch rettete vor dem Bankrott.

Barbarei oder Kultur

Rußland dort und die Freiheit hier! Uns bleibet nur eines: Freiheit oder der Zar, Barbarei oder Kultur