Gedichte

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Gedichte von Hoffmann von Fallersleben:

Zu Männern wähnt ich einst zu sprechen (An unsere Wichtelmänner)

Zu Männern wähnt´ ich einst zu sprechen, zu Männern voller Kraft und Mut, die sich an jeder Unbill rächen, fürs Rechte wagen Leib und Gut Und meine Hoffnung ist geschwunden, gebrochen meines Glaubens Kraft. O weh, wie hab ich euch gefunden so durch und durch philisterhaft! Ihr seid in Eigennutz begraben, in schnöder Selbstgenügsamkeit, und haltet euch wie schwache Knaben fern von dem Kampfplatz unserer Zeit. Stumm will ich nun mein Leben enden, denn Schweigen ist der Ehre Pflicht. Ich kann mich nur an Männer wenden, und diese Männer find´…

Zu Rosse geschwind (Der Reitersmann)

Zu Rosse geschwind! Jetzt reit ich von hier. Geschwind wie der Wind! Wer reitet mit mir?Frischauf in das Feld!Ich reite hopp hopp! Einen Ritt um die Welt, Hopp hopp hopp! im GaloppMein Roß ist voll Mut Und frißt doch kein Korn;Ich bin ihm so gut;Es geht ohne Sporn. Mein Roß lieb ich sehr:Es tut, was ich will.Mag ich reiten nicht mehr,Brr brr brr! steht es still.(1846) Melodie von Maria von Nathusius .

Zufriedenheit ist ein Vergnügen

Zufriedenheit ist ein Vergnügen, das kann Philistern nur genügen - Ich lieb auf Erden Kampf und Streit. Zufriedenheit ist Wunsch der Stillen Spießbürger ohne Kraft und Willen - Ich lieb auf Erden Kampf und Streit. Zufriedenheit ist nur für Sklaven, die glücklich sind nur wenn sie schlafen - Ich lieb auf Erden Kampf und Streit. Zufriedenheit ist Tod des Strebens Und Stillstand alles freien Lebens - Ich lieb auf Erden Kampf und Streit. Drum will ich bleiben unzufrieden, will kämpfen, kämpfen stets hienieden, Ich kämpfe mit dem Tode noch !…

Zum Amboß hielt ich mich zu schlecht (Niemandes Herr Niemandes Knecht)

Zum Amboß hielt ich mich zu schlecht,zum Hammer war ich euch nicht recht.So bin ich Amboß nicht noch Hammerund rufe frei von Herzensjammer:So ist es gut, so ist es recht,Niemandes Herr, Niemandes Knecht !Fliegt frei der Vogel durch das Feld,so ist noch sein die ganze Welt.Müßt er im goldenen Käfig hocken,er würde schwerlich dort frohlocken:So ist es gut, so ist es recht,Niemandes Herr, Niemandes Knecht !30. November 1838

Zum Jahrmarkt (Jahrmarktslied)

Zum Jahrmarkt ! heißt die Losung heut,drauf haben wir uns längst gefreut.Da kann man kaufen, hören, sehnund ohne Geld nach Hause gehen.Krambuden hier in langen Reihn !Die Krämer schrein: "Kauft ein ! Kauft ein !"Gedräng und Lärm, Musik und Sang -sollt einem werden Angst und Bang. Im Adler zapft man neuen Wein,Tanz soll im wilden Manne sein -Was hat es weiter denn für Not ?Im weißen Roß ist Table d‘hote. Kunstreiter auf dem Rasen dort !Hört, wie sie blasen immerfortHanswurst macht seine Possen auchund hält vor Lachen sich den Bauch.…

Zum Reigen herbei (Tanzlied im Mai)

Zum Reigen herbei im fröhlichen Mai!Mit Blüten und Zweigen bekränzt euch zum Reigen!Im fröhlichen Mai zum Reigen herbei!Zum Reigen herbei! Mit Jubelgeschrei Die Vögel sich schwingen, Sie rufen und singen Mit Jubelgeschrei:Zum Reigen herbei! Juchheißa juchhei! Wie schön ist der Mai! Wir haben´s vernommen, Wir kommen, wir kommen! Wie schön ist der Mai! Juchheißa juchhei!Tanzlied im Mai (1835) Melodie von Ernst Richter

Zwang Vernunft Freiheit

Dulde den Zwang der Vernunft, im Übrigen dulde den Zwang nieMache dich frei ! Nur so wirst du ein würdiger Mensch.

Zwar ist das Jahr an Festen reich (Weihnachten)

Zwar ist das Jahr an Festen reich, Doch ist kein Fest dem Feste gleich, Worauf wir Kinder Jahr aus, Jahr ein Stets harren in süßer Lust und Pein.0 schöne, herrliche Weihnachtszeit,Was bringst du Lust und Fröhlichkeit! Wenn der Heilige Christ in jedem Haus Teilt seine lieben Gaben aus. Und ist das Häuschen noch so klein,So kommt der Heilige Christ hinein,Und alle sind ihm lieb wie die Seinen,Die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen. Der Heilige Christ an alle denkt,Ein jedes wird von ihm beschenkt. Drum laßt uns freu´n und…

Zwei Schiffe kamen gefahren (Eine wahre Geschichte)

Zwei Schiffe kamen gefahren,drin lauter Auswanderer warenAn einem Sommertagbei heiterem Sonnenscheinda fahren sie hinabden freien deutschen RheinO weh, o weh, die Armen !Es ist doch zum Erbarmen –So spricht ein Generalder eben steht am Strand:Warum verlassen sieihr schönes Vaterland ? Da steht ein Bauer danebenDer spricht: das wird sich gleich gebenIhr dürft nur wenden dranvier Groschen preuß’sch Courant,Kein Deutscher, der verläßthinfort sein Vaterland Der General tät nicht wagenden Bauern weiter zu fragendoch ging es ihm im Kopfeim Kopfe kreuz und querwie das mit wenig Groschenwohl auszuführen wär Und weil‘ s…

Zwei Strauße sind anjetzt vorhanden (Die beiden Strauße)

Zwei Strauße sind anjetzt vorhanden zwei Strauße von verschiedener Art Ein Paar wie sich´s in allen Landen noch niemals hat geoffenbart Man muß sie hören, muß sie sehen und mancher wird davon entzückt und mancher kann nicht mehr genesen er wird halb närrisch und verrückt Und wenn der eine musiciret spazieren wir ins Himmelshaus und wenn der andere disputiueret jagt er Gott Vater selbst hinaus Könnt ich ein kleines Fürstlein werden von Gottes Gnad und Volkes Gold so nähm ich für die Volksbeschwerden die beiden Strauß´ in meinen Sold Der…