Gott erhalte den Tyrannen

Politische Gedichte | | 1841

Gott erhalte den Tyrannen,
den Tyrannen Dionys !
Wenn er uns des Heils auch wenig
und des Unheils viel erwies,
wünsch´ ich doch, er lebe lange,
flehe brünstig überdies:
Gott erhalte den Tyrannen,
den Tyrannen Dionys !“

Eine Alte sprach im Tempel
eines Tages dies Gebet.
Der Tyrann kam just vorüber,
Wüßte gerne, was sie tät´:
„Sag mir doch, du liebe Alte,
sag, was war denn dein Gebet ?“ –
„Ach, ich habe nur gebetet,
nur für euer Majestät

Als ich war ein junges Mädchen,
fleht´ ich oftmals himmelan:
„Lieber Gott, gib einen bessern!“
Und ein schlechtrer kam heran;
und so kam ein zweiter, dritter
immer schlechterer Tyran;
Darum fleh ich heute nur noch:
„Gott erhalt´ uns dich fortan!“

2. Juli 1841
In ihrer eigenen Melodie