Durch den Teutoburger Wald (Germania)

Et pertransivit Clericus
Durch den Teutoburger Wald
Quid vidit ibi eminus?
Ein Mägdlein wohlgestalt

Salve mi dilectissima!
Du sollst mein Schätzlein sein!
Salve, salve Germania!
Gewiß, ich will Dich frei’n!

Quid meditaris Clerice
Was denkst Du, schäbiger Pfaff?
Caelebs papa1is, apage!
Du alter röm´scher Aff!

Sum sponsa casta, libera
Ein Herz voll Treu und Recht
Et tu romana vipera,
Du meinst es immer schlecht

Sum Caesaris – carpe viam!
Du Pfaff, Du Jammermann!
Sivis tuam Germaniam,
Frag bei Majunken an!

O Jerum, Jerum, Jerum!
O quae mutatio rerum!

Fürwahr, es ist ein Trauerspiel,
Nunc sumus vagabundi!
Wir galten viel und hatten viel:
Sie transit gloria mundi.

Jetzt bringet man uns auf den Schub,
Sancti Pii amores.
Nachruft uns jeder freche Bub
Valete, proditores!

Nun ja, zwar habt ihr uns verbannt,
Quid nobis vestra verba?
Wir brauchen ja kein Vaterland,
Adhuc messis in herba.

Das ist ein Trost, ein Süßer noch
Est mundus totus scrobis:
Hier fort, gibt’s anderswo ein Loch,
Quod et patebit nobis.

O schöne, herrliche Weihnachtszeit

O schöne, herrliche Weihnachtszeit
was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein
Und alle sind ihm lieb wie die Seinen
die Armen und die Reichen
die Großen und die Kleinen
Der heilige Christ an alle denkt
ein jedes wird von ihm beschenkt
Drum lasset uns freu’n und dankbar sein!
Es denkt auch unser, mein und dein

Die Sterne sind erblichen

Die Sterne sind erblichen
mit ihrem güldnen Schein
bald ist die Nacht entwichen
der Morgen dringt herein

Noch waltet tiefes Schweigen
im Tal und überall
auf frisch betauten Zweigen
singt nur die Nachtigall

Sie singet Lob und Ehre
dem hohen Herrn der Welt
der überm Land der Meere
die Hand des Segens hält.

Es hat die Nacht vertrieben;
ihr Kindlein fürchtet nichts!
Stets kommt zu seinem Leben
der Vater allen Lichts.

Tröste Dich in Deinem Leid (Idas Tod)

Tröste Dich in Deinem Leid,
Das Dir Gott beschieden!
Ist doch nur Vergänglichkeit
Unser Los hienieden

Eh´ das Leben oft beginnt,
Ist es schon vergangen;
Mitten in dem Leben sind
Wir vom Tod umfangen.

Arm und Reich, und Alt und Jung,
Was sich liebt´ und freute,
Hoffnung, Freud´, Erinnerung
Wird des Todes Beute.

Tröste Dich, Du liebes Herz!
Groß ist Gottes Güte,
Groß und größer als Dein Schmerz –
Daß Dich Gott behüte!

Text: Hoffmann von Fallersleben , am 28. Oktober 1860 –
An diesem Tag starb Hoffmanns Frau Ida vom Berge im Alter von 29 Jahren

Kein Christbaum

Kein Christbaum wird ihr mehr beschieden,
Wo´s noch geschah das vor´ge Jahr.
Sie schlummert schon in süßem Frieden,
Die unsre Freud´ und Hoffnung war

O laß uns nicht den Schmerz erneuen!
Nahm Gott uns wieder unser Kind,
Will er doch, daß wir auch uns freuen,
Weil wir noch seine Kinder sind.

Text: Hoffmann von Fallersleben ,
am Christabend 1853, Neuwied – ( Zum Tode der Tochter Maria )

Kein König gab mir einen Orden

Kein König gab mir einen Orden,
Noch einen Titel oder Rang,
Und dennoch bin ich mehr geworden,
Als ich geahnt mein Leben lang.

Der Herr der Herren, Er da droben
Hat gnädig seines Knechts gedacht.
Mein Herz muß preisen Ihn und loben:
Er hat zum Vater mich gemacht.

Zum 30. Mai 1852 –
Neuwied , zur Geburt seines Kindes