Heil ihm der den geraden Pfad

Persönliches | Politische Gedichte | | 1868

Heil ihm, der den geraden Pfad
des Rechts und der Wahrheit gewandelt hat,
in edlem Zorneseifer zertrat
allen Lug und Trug und allen Verrat
am Vaterland und an Kirch´ und Staat,
an der Menschheit Proletariat !

Heil ihm, der für die Freiheit früh und spat
kämpfte wie ein tapferer Soldat.
Sie bleibt seine Braut im Hochzeitsstaat.
Nie könnt er werden ein Renegat,
nie üben an seiner Verlobten Verrat;
und hielt ihn gefangen Kosak und Kroat,
und säh´ er nur Blut und Tränenbad,
und würd er begnadet zu Galgen und Rad,
Er bliebe der Freiheit Advokat
mit Sang und Wort, mit Rat und Tat.

Und wenn einst der Tag der Vergeltung naht,
wenn gewogen wird Gesinnung und Tat,
wenn die Ernte kommt für jede Saat,
dann wird erkannt, was er ist, was er tat,
dann ruft mit mir jeder Demokrat:
Hoch lebe mein alter Kriegskamerad !
Hoch Ferdinand Freiligrath !

7. August 1868