In der Fremde

Wie lange soll ich noch fern dir sein?
O Heimat!
Ich habe vergebens gewünscht und gehofft,
Vergebens nach dir mich gesehnt so oft,
O Heimat!

Wer fühlt mein Leiden, wer tröstet mich?
0 Heimat!
Wer stillet mein heißes Verlangen nach dir?
Wer trocknet die Träne des Heimwehs mir?
0 Heimat!

Und werd´ ich nimmer dich wiederseh´n?
0 Heimat!
Die Jugendgespielen nicht wieder einmal,
Nie wieder mein Dorf in dem stillen Tal?
0 Heimat!

Und werd´ ich nimmer dich wiedersehn?
0 Heimat!
Ach, ohne dich gibt es kein Leben für mich!
Ich war ja so glücklich und war´s durch dich –
0 Heimat!

Hans Joachim Malecki nahm dieses Gedicht in seine Sammlung “ Ein Gärtlein weiß ich noch auf Erden “ auf, daß überwiegend Kinderlieder enthält

So mußt ich fliehn aus meiner Heimat

So mußt ich fliehn aus meiner Heimat –
nur meine Sehnsucht kreiste stumm,
wie der verjagte Adler kreiset,
um sein zerstörtes Nest herum.

Es wollte keine Hoffnung grünen
hinieden dem Verbannten mehr;
dem Heimatlosen blieb verboten
zur Heimat jede Wiederkehr.

Wie wehrend mit dem Flammenschwerte
vorm Paradies der Engel stand:
so wehrten Jahre lang Gensdarmen
den Eingang mir ins Heimatland.

Da scholl ein Glöcklein aus der Ferne:
Wach auf, mein Volk, im Freiheitsglück !
Und donnernd stürzte die Lawine
der Tyrannei ins Nichts zurück.

Und Frühling ward es aller Orten,
und Frühling ward es auch für mich,
und Blumen blühten in der Heimat,
und jede rief: wir grüßen dich !

Text: Hoffmann von Fallersleben – 1848
Siehe dazu Hoffmanns Autobiografie

Abschied der Zugvögel

Wie war so schön doch Wald und Feld
wie traurig ist anjetzt die Welt
Hin ist die schöne Sommerzeit
und nach der Freude kam das Leid

Wir wußten nichts von Ungemach,
Wir saßen unterm Laubesdach,
Vergnügt und froh im Sonnenschein
Und sangen in die Welt hinein.

Wir armen Vöglein trauern sehr,
Wir haben keine Heimat mehr,
Wir müssen jetzt von hinnen fliehn
Und in die weite Fremde ziehn.

Text: Hoffmann von Fallersleben , 1843 , geschrieben in dem Jahr, da Hoffmann aus Preußen ausgewiesen wurde und selber Berufsverbot bekam, also zum „Zugvogel“ wurde – auf eine Volksliedmelodie aus Schlesien –

Die deutschen Heimatlosen an ihre Brüder

Beschränkung der Preßfreiheit ist eine Stütze und ein Beweis der Tyrannei
(Johannes von Müller, Werke 27, 207)
Auch die mildeste Zensur ist ein Übel
(Dahlmann, Politik, 1. Teil, S.305)

Wo lebt in deutschen Herzen noch Erbarmen
und Mitgefühl für unsere Qual und Not?
Habt ihr für uns, die heimatlosen Armen,
nichts als Verbannung nur und Hungertod?
Wie furchtbar ist´ s, wie grausend!
Ach, fünfundzwanzigtausend
die irren heimatlos durchs Vaterland,
von Ort zu Ort vertrieben und verbannt

Millionen mag ein deutscher Fürst verschwenden,
er tut´ s sogar mit euerem Verlaub –
uns aber wollt ihr nicht ein Obdach spenden
noch unserem Jammer eine Handvoll Staub!
Wie furchtbar ist´ s, wie grausend!
Ach, fünfundzwanzigtausend
die irren heimatlos durchs Vaterland,
von Ort zu Ort vertrieben und verbannt.

Wollt ihr noch Christen sein, so zeigt´ s durch Taten,
und treibt nicht mehr mit Christi Worten Spott!
Nehmt uns als Brüder auf in euren Staaten!
Nur wer die Menschen liebt, der liebet Gott.
Wie furchtbar ist´ s, wie grausend!
Ach, fünfundzwanzigtausend
die irren heimatlos durchs Vaterland,
von Ort zu Ort vertrieben und verbannt.

3. Juli 1843
Melodie: Wo Mut und Kraft in deutscher Seele flammen