An Main und Rhein

Über Leipzig, wo er immer noch unpässlich ist, begibt er sich nach Frankfurt. Mitte August hatte ihn der Buchhändler Suchsland zum Abendessen eingeladen. Es war eine große Gesellschaft, die am Mainufer zusammenkam. Eine Gondel mit bunten Laternen kommt den Main hochgefahren, man singt „Deutsche Worte hör‘ ich wieder“ und bringt ihm ein Hoch aus. Die Zeitung spottet: „Man sieht ihn rüstig und munter an der Wirtstafel seine eigenen Lieder vorsingen.“01

Am 15. August besucht Hoffmann in Koblenz eine alte Freundin, die er seit 25 Jahren nicht gesehen hat. Bei Karl Bädeker trifft er am nächsten Tag Ferdinand Freiligrath. Beide gehen in ein Kaffeehaus und sind bald bei Thema Politik. Hoffmann macht ihm Vorwürfe, daß er gerade zur Zeit der Ausweisung Georg Herweghs ein Gedicht gegen ihn veröffentlicht habe. Freiligrath liest ihm einige seiner neuen Gedichte vor, von denen eines die Zensur nicht passiert habe und deutet an, daß Hoffmann bald einen besseren Eindruck von seiner Gesinnung haben werde. Beide werden vertrauter, Hoffmann liest ihm das Gedicht „Schweigetaler“ vor.

Am Abend sind beide bei Bädeker zu einer Abendgesellschaft am Moselufer eingeladen, Hoffmann ist es zu langweilig und zu still, er erzählt Geschichten und Witze, wird dann politisch und bringt noch einmal den „Schweigetaler“. Bädeker und er geraten darüber in Streit, und der Abend endet damit, daß Freiligrath und Hoffmann bei Champagner im Gasthof „Riesen“, wo Hoffmann wohnt, die Sau rauslassen. Freiligrath schreibt später ein Gedicht über diesen Abend:

Wo wir leerten Glas auf Glas, bis ich alles wußte,
bis ich deinen ganzen Haß schweigend ehren mußte.
Düster mit verkohltem Docht flackerten die Kerzen;
düster und von Zorn durchpocht brannten unsere Herzen;
dennoch oft, gleichwie ein Blitz, finsterer Wolk‘ entquollen,
brach ein Lachen, brach ein Witz hell durch unser Grollen.
(…)
Ich auch, der ich jene Nacht finster mit dir zechte,
ich auch, eben vor der Schlacht, biete dir die Rechte !
Ja, auch ich steh kampfbereit, gleich sind unsere Zeichen: –
Mit Bewußtsein wag‘ ich’s heut, dir die Hand zu reichen !

Am nächsten Morgen schlief Hoffmann wohl recht lange, denn als er aufwachte war Freiligrath schon abgereist. Hoffmann fährt ihm nach bis St. Goar, wo dieser neben dem Gasthaus „Lilie“ wohnte. Dort trifft er auch Geibel, der sich ablehnend verhält. „Ich sang viel, erzählte viele lustige Geschichten und suchte alles zu vermeiden, was unangenehm hätte berühren können. Als ich anstimmte: „Deutschland, Deutschland über Alles !“, sagte Geibel: „Auf diesem Gebiete sind wir eins !“