O schöne, herrliche Weihnachtszeit

O schöne, herrliche Weihnachtszeit
was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein
Und alle sind ihm lieb wie die Seinen
die Armen und die Reichen
die Großen und die Kleinen
Der heilige Christ an alle denkt
ein jedes wird von ihm beschenkt
Drum lasset uns freu’n und dankbar sein!
Es denkt auch unser, mein und dein

Die Fahn ist aufgepflanzet (Sturmlied)

Die Fahn ist aufgepflanzet
auf der Schneeburg hohem Wall
Die Feind auf allen Seiten
sie fordern uns zum Streiten
Frisch hinan, Mann für Mann!
Mut gefaßt! Drauf und dran!
Nehmt den Schneeball, nehmt den Schneeball
Nehmt den Schneeball in die Hand!
Und werfet, werft und stürmet!

Der Kampf, er ist begonnen
Auf der Schneeburg hohem Wall.
Die Feinde bringt zum Weichen
Und holt ihr stolzes Zeichen!
Frisch hinan, Mann für Mann!
Mut gefaßt! Drauf und dran!
Nehmt den Schneeball, nehmt den Schneeball
Nehmt den Schneeball in die Hand!
Und werfet, werft und stürmet!

Und ist die Fahn´ erobert
Von der Schneeburg hohem Wall,
Froh ziehn wir ein dann alle
Mit Siegessang und Schalle.
Frisch hinan, Mann für Mann!
Mut gefaßt! Drauf und dran!
Nehmt den Schneeball, nehmt den Schneeball
Nehmt den Schneeball in die Hand!
Und werfet, werft und stürmet!

Der Nebel liegt auf Berg und Tal

Der Nebel liegt auf Berg und Tal,
Das Feld ist leer, der Wald ist kahl,
Nur frisch besätes Land wird grün,
Nur hie und da noch Blumen blühn.

Es schwiegen längst des Waldes Sänger,
Der Tag wird kürzer, die Nacht wird länger.
Da denkt der Herbst: nun ist es Zeit,
Zu scheiden bin ich gern bereit.

Doch, daß ihr freundlich denket mein,
So lad´ ich euch zur Kirmes ein.
Kommt, jung und alt und groß und klein,
Heut´ soll´s für jeden Kirmes sein!

Ach, wo ich gerne bin (Was fang ich an?)

Ach, wo ich gerne bin,
Da soll ich nimmer hin,
Und wo ich bleiben muß,
Da hab ich nur Verdruß.
Nach dem Walde soll ich nicht,
In den Garten mag ich nicht,
In der Stube bleib´ ich nicht —
Was fang´ ich an?

Ach, in dem Wald allein,
Da kann man lustig sein;
Da grünt es überall,
Da singt die Nachtigall.
Mutter, laß mich geh´n hinaus,
In den grünen Wald hinaus!
Einen schönen Blumenstrauß,
Den bring´ ich dir.

Könnt´ ich ein Vogel sein,
Flog´ ich in den Wald hinein,
Zur reinen Maienluft,
Zum frischen Laubesduft!
Nach dem Walde soll ich nicht,
In den Garten mag ich nicht,
In der Stube bleib´ ich nicht —
Was fang´ ich an?

Eine kleine Geige möcht ich haben

Eine kleine Geige möcht ich haben,
Eine kleine Geige hätt´ ich gern!
Alle Tage spielt ich mir
Zwei, drei Stücken oder vier,
Und sänge und spränge gar lustig herum,
Ja, sänge und spränge gar lustig herum,
Di del di del dum dum
Dumm dumm dumm dumm !

Eine kleine Geige klingt gar lieblich,
Eine kleine Geige klingt gar schön !
Nachbars Hans und unser Spitz
Kämen alle wie der Blitz:
Und sängen und sprängen gar lustig herum,
Ja, sängen und sprängen gar lustig herum,
Di del di del dum dum
Dumm dumm dumm dumm

Text: Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)
, Musik: trad

Die Glockenblumen läuten gar fein

Die Glockenblumen läuten gar fein
Das hallet weit in das Dorf hinein
Bim bam! bim bam
Es hören die Bienen überall
Sie machen sich auf und folgen dem Hall
Bim bam! bim bam

Es sind im Morgensonnenschein
Erblüht die lieben Blümelein
Die Bienen kommen und schlüpfen hinein
Und holen den süßen Blütenwein

Doch als die Sonne scheiden will
Da schweigen die Glockenblumen still
Die Bienen danken für bim bam bum
Und fliegen heim mit Sang und Summ
Bim bam! bim bam bum

Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
in: Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben (zweite Auflage 1878)

Keine Puppe will ich haben

Keine Puppe will ich haben —
Puppen gehn mich gar nichts an.
Was erfreu´n mich kann und laben,
Ist ein Honigkuchenmann,
So ein Mann mit Leib und Kleid,
Durch und durch von Süßigkeit.

Stattlicher als eine Puppe
Sieht ein Honigkerl sich an,
Eine ganze Puppengruppe
Mich nicht so erfreuen kann.
Aber seh´ ich recht dich an,
Dauerst du mich, lieber Mann.

Denn du bist zum Tod erkoren —
Bin ich dir auch noch so gut,
Ob du hast ein Bein verloren,
Ob das andre weh dir tut:
Armer Honigkuchenmann,
Hilft dir nichts, du mußt doch dran!

(1873)

Hampelmann was fängst du an

Hampelmann, was fängst du an?
Hängst so ruhig an der Wand,
Regest weder Fuß noch Hand!
Hampelmann, was fällt dir ein,
Willst du nicht mehr lustig sein?

Warte nur! Ich ziehe dich,
Lustig wirst du sicherlich;
Rühren sollst du Arm und Bein,
Lustig, lustig mußt du sein!

Hampelmann, frisch, wohlan!
Auf und nieder, hin und wieder,
Recke, strecke deine Glieder!
Frisch, wohlan! Hampelmann!

Der Mond zieht durch die Wolken (Der Mond)

Der Mond zieht durch die Wolken,
Er kommt so hell heran.
Ihr Kinder, eilt ins Freie!
0 seht den Mond euch an!

Da streckt das kleinste Knäbchen
Die Arm´ hinaus gar weit,
Den Mond, den Mond will´s haben,
Nach ihm es weint und schreit.

Ich kann ihn dir nicht geben,
Auch wenn du größer bist,
Kann ich kein Glück dir geben,
Das nicht auf Erden ist. —

Denk´ bei dem goldnen Monde,
Der hoch am Himmel schwebt,
Daß niemand hier auf Erden
Unmögliches erstrebt.

(1872) Nach einem flämischen Lied von Rosalie Loveling –

Eichkätzchen machst dir große Last

Eichkätzchen, machst dir große Last:
Was hüpfst du so in wilder Hast
Von einem Ast zum andern Ast?

Was willst du doch im Walde hier?
Nach unserm Hause komm mit mir!
Tagtäglich geb´ ich Nüsse dir. —

»Und bietest Du mir Gut und Geld,
Ich bleibe, wo´s mir wohlgefällt:
Lieb Kind, der Wald ist meine Welt.

Hier kann ich tanzen kreuz und quer,
Frei bin ich hier, was will ich mehr?
Lieb Kind, leb wohl! ich danke sehr.“

Text: Hoffmann von Fallersleben (1869)