Der Frieden ruht auf Berg und Tal (Wiegenlied)

Der Frieden ruht auf Berg und Tal,
Die Welt will schlafen allzumal.
Ein Sternlein blickt zum Fenster ´nein
Und fragt: Schläft Kindlein noch nicht ein?

„Mein Kind ist gut und folget gern,
Das weißt du ja, mein lieber Stern!“
So wünsch´ ich ihm denn gute Nacht,
Schlaf wohl, mein Kind! Dein Sternlein wacht.

-1862

Draußen blinket in silbernem Schein (Wiegenlied)

Draußen blinket in silbernem Schein
Schon der Mond mit den Sternelein,
Und der Tag ist wieder entflohn,
Blumen und Vögel sie schlafen schon.
Su su su!
Schlaf auch du!
Schlafe, mein Kindchen, in süßer Ruh!

Leid und Freude, Kummer und Qual
Ziehen noch über Berg und Tal,
Suchen Herberg´ im Abendschein,
Schleichen in Haus und Herzen ein.
Su su su!
Schlaf auch du!
Schlafe, mein Kindchen, in süßer Ruh!

Kommt die Freude, wir lassen sie ein,
Leid und Kummer soll draußen sein.
Nur die Freude halte die Wacht
Fröhlich bei dir die lange Nacht!
Su su su!
Schlaf auch du!
Schlafe, mein Kindchen, in süßer Ruh!

Schleicht das Leid sich dennoch ein,
Heißt, mein Kindchen, dich weinen und schrei´n,
Eilt die Mutterliebe herzu,
Sitzt an der Wieg´ und singet im Nu:
Su su su!
Schlaf auch du!
Schlafe, mein Kinddien, in süßer Ruh!

-1854

So schlaf in Ruh (Wiegenlied 1841)

So schlaf in Ruh´,
mein Söhnlein du!
Dein Vaters sprach ein freies Wort,
da führten ihn die Schergen fort
in einen Kerker weit von hier,
weit weit weg von mir, weit weg von Dir.

So schlaf in Ruh´,
mein Söhnlein du!
Dein Vater leidet Schmach und Not,
dein Vater ist lebendig tot,
und seine Freunde bleiben fern
und sehen auch dich und mich nicht gern.

So schlaf in Ruh´,
mein Söhnlein du!
Dein Vater ist ein Biedermann –
heil jedem, wer so denken kann !
Heil dir, wenn du dereinst auch bist,
was dein gefangener Vater ist!

So schlaf in Ruh´,
mein Söhnlein du!
Verschlaf des Vaterlandes nacht,
den Knechtsinn, die Despotenmacht;
Verschlaf, was uns noch drückt und plagt,
schlaf, bis der bessere Morgen tagt

29. November 1841

Die liebe Sonne sinket nieder (Wiegenlied)

Die liebe Sonne sinket nieder,
Schon säuselt´s kühl durch Wald und Feld,
Der Abendstern verkündet wieder
Den süßen Schlaf der müden Welt.

An Halmen, Blättern, Sommerlatten
Wird´s still und stiller allgemach,
Und jedes sucht im Dämmerschatten
Ein grünumwölbtes Wetterdach.

Im Blumenkelche will die Biene,
Der Laubfrosch auf dem Blatte ruhn,
Der Falter an der Balsamine,
Am Rosenzweig das Gotteshuhn.

Du darfst um deine Lagerstätte,
Mein Kind, noch nicht bekümmert sein!
Wenn ich auch keine Wiege hätte,
Auf meinen Armen schliefst du ein.

-1827

Alles still in süßer Ruh (Wiegenlied)

Alles still in süßer Ruh
Drum, mein Kind, so schlaf auch du
Draußen säuselt nur der Wind:
Su su su! schlaf ein, mein Kind

Schließ du deine Äugelein,
Laß sie wie zwei Knospen sein!
Morgen, wenn die Sonn´ erglüht
Sind sie wie die Blum´ erblüht

Und die Blümlein schau ich an,
Und die Äuglein küß ich dann,
Und der Mutter Herz vergißt,
Daß es draußen Frühling ist

Text Hoffmann von Fallersleben – 1827
Melodie von K. v. Winterfeld –

Der Sommer kommt der Frühling flieht

Der Sommer kommt, der Frühling flieht,
Schon singt kein Vogel mehr sein Lied;
Vor Arbeit und Geschäftigkeit
Verstummt die Freude weit und breit.

Des Alltags wird es keinem klar,
Daß es noch neulich Frühling war,
Auch sonntags denkt man kaum zurück,
Nur in der Zukunft sucht man´s Glück.

Ich hang´ an der Vergangenheit,
An jener frohen Frühlingszeit,
So wie das Kind an meiner Brust,
Voll Dank erfüllt in Freud und Lust.

Denn seht, der Frühling blieb bei mir,
In meiner Wiege liegt er hier,
Er ist dem schönsten Maitag gleich,
Wie er so hold, so freudenreich.

-1827