Könnt ich wandeln durch die Auen!

Frühling | Liebesgedichte | , | 1852

Könnt´ ich wandeln durch die Auen,
Blumen pflücken mir zum Strauß!
Könnt´ ich von den Bergen schauen
Weit ins grüne Land hinaus!
Und Du gingst an meiner Seite
Heiter wie die Frühlingswelt,
Und Du gäbst mir das Geleite
Ueberall durch Wald und Feld!

Frühling ist es schon gewesen,
Doch er stellt sich wieder ein:
Wärest Du, mein Lieb, genesen,
Müßt´ es wieder Frühling sein;
Alle Blumen blühten wieder,
Alle blühten noch einmal,
Und der Vögel Jubellieder
Schallten über Berg und Thal.

Steig empor und laß Dein Bette!
Auf und rüste Dich zum Gang!
Jeder Weg und jede Stätte
Beut Dir Frohes zum Empfang.
Wenn sich Deine Augen freuen
An dem lichten Sonnenschein,
Wird sich schön die Welt erneuen,
Wird es Frühling für mich sein!

geschrieben während der Krankheit seiner Frau Ida, Neuwied seit 20. Juni 1852.
später in Heidelieder – 1860
Melodie : Laue Lüfte, Blumendüfte.