Lebenslauf

Kindheit und Jugend

Am 2. April 1798 wird August Heinrich Hoffmann (noch ohne „von Fallersleben“) als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns, Gastwirts und Bürgermeisters Heinrich Wilhelm Hoffmann und dessen Frau Dorothea Eleonore Marie (geb. Balthasar) in Fallersleben ( heute ein Ortsteil von Wolfsburg) geboren. Als der Junge fünf Jahre alt ist, erlebt der die Zwangsrekutierungen des preußischen Militärs und die spätere französische Besetzung.  Die napleonische Herrschaft bringt viele positive Neuerungen, im Bürgertum herrschte Aufbruchstimmung: „Gleichheit vor dem Gesetz, mündliches und öffentliches Gerichtsverfahren, Schwurgerichte, allgemeine Konskriptions- und Steuerpflichtigkeit…“ Doch 1809 kommt es zu Aufständen.

Während ältere Schüller und vor allem Studenten gegen die französischen Besatzer kämpfen, wechselt Hoffmann 1812 auf das Pädagogium in Helmstedt und 1814 zum Katharineum in Braunschweig, wo er 1816 das Abitur macht. Die Stimme seiner Generation ist der Dichter Theodor Körner, der mit nicht einmal 22 Jahren am 26. August 1813 bei der „Völkerschlacht“ von Leipzig fällt. Hoffmann , um einige Jahre zu jung, erlebt die Befreiungskriege auf der Schulbank.  (mehr zu Kindheit und Jugend)

Studium

August Heinrich Hoffmann wird  auf Wunsch der Eltern Student der Theologie in Göttingen. Schon im Folgejahr wechselt er zur Klassischen Philologie und Archäologie. Nach der einflussreichen Begegnung mit dem Sprachwissenschaftler Jacob Grimm in Kassel, beginnt er 1819 in Bonn deutsche Sprache und Literatur zu studieren…

1819-1821
Hoffmann folgt seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker (1784-1868) nach Bonn. Dort schließt er sich der burschenschaftlichen Bewegung an, was seine politischen Anschauungen nachhaltig prägt.
Auf Vorschlag Welckers erhält er eine Anstellung als Bibliotheksassistent und widmet sich mehr und mehr dem Selbststudium.

1821
In der Bonner Universitätsbibliothek entdeckt er Bruchstücke von Otfried von Weißenburgs (um 790-875) Evangelienbuch. Im selben Jahr veröffentlicht er einen Aufsatz zu seinem Fund. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen folgen, darunter „Wilirams Übersetzung und Auslegung des Hoheliedes“ (1827), „Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit“ (1832) und „Deutsche Philologie im Grundriß“ (1836).
April-Oktober: Eine Reise nach Holland und Belgien lenkt sein Interesse auf die altniederländische und altflämische Dichtung, mit der er sich Zeit seines Lebens beschäftigt, unter anderem in der von 1830 bis 1862 fortgesetzten Quellenpublikation der „Horae Beligicae“.

1821-1823
Er lebt bei seinem Bruder in Berlin.

1823
Die Universität Leiden verleiht ihm die Ehrendoktorwürde.

1823-1838
Bibliothekar an der Universität in Breslau.

1830
Berufung zum außerordentlichen und ab 1835 zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Breslau.

1840
Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe veröffentlicht Hoffmanns „Unpolitische Lieder“. Diese kritischen Gedichte zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland haben solchen Erfolg, dass schon 1841 eine Neuauflage und ein zweiter Band in Vorbereitung sind.

1841
Am 26. August 1841 dichtet er auf der damals britischen Insel Helgoland das „Lied der Deutschen“ als Ausdruck der Sehnsucht nach nationaler Einheit. Das mit der Melodie der Kaiserhymne Joseph Haydns (1732-1809) unterlegte Deutschlandlied wird bereits am 1. September 1841 bei Hoffmann und Campe in Hamburg als Einzeldruck veröffentlicht.
1922 erklärt Reichspräsident Friedrich Ebert das Lied zur deutschen Nationalhymne. Seit 1952 wird nur noch die dritte Strophe als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland gesungen.

1842
Auf Betreiben des preußischen Kultusministeriums wird Hoffmann von Fallersleben als „staatsgefährdend“ aus dem Lehramt in Breslau entlassen. Ursache sind „politisch anstößige Grundsätze und Tendenzen“, die er in den „Unpolitischen Liedern“ ausgesprochen haben soll sowie sein Eintreten für ein einheitliches Vaterland Deutschland. Nach seiner pensionslosen Entlassung verbringt Hoffmann von Fallersleben sechs ruhelose Jahre an ständig wechselnden Orten, da er sowohl in Preußen als auch im Königreich Hannover polizeilich ausgewiesen wird.

1848
An der Märzrevolution nimmt er nicht aktiv teil. Die Wahl in die Frankfurter Nationalversammlung lehnt er ebenso ab wie das Angebot, Mitarbeiter der neu gegründeten „Nationalzeitung“ zu werden.
Nach wiederholten Eingaben beim preußischen Ministerium wird er nach dem Amnestiegesetz vom 20. März 1848 rehabilitiert und erhält ein Wartegeld von 375 Talern als Pension zugesprochen.

1849
Heirat mit seiner 18jährigen Nichte Ida vom Berge. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor, von denen nur eines das erste Lebensjahr erreicht.

1853
Umzug nach Weimar, wo sich die Schriftstellerin Bettina von Arnim (1785-1859) vergeblich für ihn um die Vermittlung der Stelle eines Oberbibliothekars beim Groherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach bemüht.
Ab 1854 gibt er gemeinsam mit dem Sprach- und Literaturwissenschaftler Oskar Schade (1826-1906) das „Weimarische Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur und Kunst“ heraus, von dem bis 1857 sechs Bände erscheinen.
In Weimar schließt er Freundschaft mit dem Komponisten und Pianisten Franz Liszt (1811-1886), der ihn Zeit seines Lebens unterstützt und ihm die spätere Anstellung in Corvey vermittelt.

1860
Herzog Viktor von Ratibor (1818-1893) überträgt Hoffmann von Fallersleben die Verwaltung seiner Schlossbibliothek in Corvey, die dieser bis zu seinem Tod ausübt.
Seine Frau stirbt im Alter von 29 Jahren nach einer Totgeburt.
In seinen letzten Lebensjahren ist er vornehmlich mit der Ausarbeitung seiner umfangreichen Autobiographie beschäftigt, die er unter dem Titel „Mein Leben“ von 1868 bis 1870 in sechs Bänden publiziert.

1874
19. Januar: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben stirbt in Corvey.