Weg mit allen Mägdelein

Weg mit diesen, weg mit jenen
Weg mit allen Mägdelein!
Meines Herzens Freud‘ und Sehnen
Fesselt mich an dich allein.

Bin ich doch durch dich geworden
Willenslos wie ein Magnet,
Der sich immer, statt nach Norden,
Nur nach deinem Herzen dreht.

Aus dem Zyklus: Helgoländer Lieder

Was singst du Herz so bang und laut

Was singst du Herz so bang und laut
Nach inniger Vereinung?
Die Sehnsucht ist ja deine Braut
Nur Trug ist die Erscheinung
Sooft der Mond zur Sonne schaut
Er wird ihr niemals angetraut
In inniger Vereinung.
Drum singe nicht so bang und laut!
Die Sehnsucht bleibt ja deine Braut
Nur Trug ist die Erscheinung.

Nicht mit Rosen und Violen

Nicht mit Rosen und Violen
Will ich schmücken dir das Haar
Güldne Sterne will ich holen
Von des Himmels Hochaltar

Nennt es immer ein Verbrechen
Und ein gottvergessen Lied
Ja, ich wag es auszusprechen,
Was mir Gott im Traume riet

Und die güldnen Sterne pflück ich
Wie die Blumen auf der Flur
Und mit solchen Blumen schmück ich
Deine dunkeln Locken nur

in Buch der Liebe , 1836

Ich liebe dich

Mir ist, als müßt ich immer sagen
Ich liebe dich,
Und mag nicht auszusprechen wagen
Ich liebe dich.
Die Maienlüfte säuseln wieder
Ich lausche hin
Und alle Blütenzweige klagen
Ich liebe dich

Der Sang der Vögel ist erwachet
Ich lausche hin
Und alle Nachtigallen schlagen
Ich liebe dich
So frag die Lüfte, frag die Blumen
Die Vögel all
Vielleicht, daß sie für mich dir sagen
Ich liebe dich

Ich wandle fern von dir und habe
Nur einen Trost
In diesen schönen Frühlingstage
Ich liebe dich.

aus Johanna-Lieder (Ghaselen , 1847-49)

In jedes Haus wo Liebe wohnt

In jedes Haus, wo Liebe wohnt
Da scheint hinein auch Sonn und Mond
Und ist es noch so ärmlich klein
So kommt der Frühling doch hinein

Der Frühling schmückt das kleinste Haus
Mit frischem Grün und Blumen aus,
Legt Freud in Schüssel, Schrank und Schrein,
Gießt Freud in unsre Gläser ein.

Und wenn im letzten Abendrot
An unser Häuschen klopft der Tod,
So reichen wir ihm gern die Hand,
Er führt uns in ein bessres Land.

Ich bin ein freier Falke

Ich bin ein freier Falke
Ich fliege hoch und fern
Ich diene keinem Schalke
Und dien auch keinem Herrn

Ich schwinge mein Gefieder,
Mein Flug ist goldeswert;
Ich lasse da mich nieder,
Wohin mein Herz begehrt.

Zwei Augensterne blinken
Mir tief ins Herz hinein;
Zwei weiße Händlein winken:
Ich soll willkommen sein!

O welche Lust, zu schweben
In Liebesseligkeit,
Nur ihrem Dienst ergeben,
Nur ihr, der süßen Maid!

Du bist die Sonne die nicht untergeht

Du bist die Sonne, die nicht untergeht
Du bist der Mond, der stets am Himmel steht
Du bist der Stern, der, wenn die andern dunkeln
Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln

Du bist das sonnenlose Morgenrot
Ein heitrer Tag, den keine Nacht bedroht
Der Freud und Hoffnung Widerschein auf Erden
Das bist du mir, was kannst du mehr noch werden?

Mir ist als müßt ich immer sagen

Mir ist, als müßt‘ ich immer sagen:
Ich liebe dich,
Und mag nicht auszusprechen wagen:
Ich liebe dich.

Die Maienlüfte säuseln wieder,
Ich lausche hin,
Und alle Blütenzweige klagen:
Ich liebe dich.

Der Sang der Vögel ist erwachet,
Ich lausche hin,
Und alle Nachtigallen schlagen:
Ich liebe dich.

So frag die Lüfte, frag die Blumen,
Die Vögel all
Vielleicht, daß sie für mich dir sagen
Ich liebe dich.

Ich wandle fern von dir und habe
Nur einen Trost
In diesen schönen Frühlingstage:
Ich liebe dich.

Oftmals lehnt sich der Verstand

Oftmals lehnt sich der Verstand
Hin an meines Herzens Pforte,
Wie ein Lauscher an der Wand
Denkt er sich am rechten Orte.

Wie’s ihm bangt nach jedem Ton,
Wie er lauscht mit spitzen Ohren!
Nichts als Rätsel sind sein Lohn,
All sein Mühen ist verloren.

O wie wüßt‘ er doch so gern,
Was die Liebe drinnen treibet!
Doch er steht ihr viel zu fern,
Lieb‘ ihm stets Geheimnis bleibet.