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Deutsche Identität, Grenzen zwischen Nationalismus und Patriotismus: Das sind Themen, die Michael Zachcial, den Bandleader und Komponisten, genau so sehr beschäftigen wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Dichter des "Deutschlandliedes." Wie Fallersleben singt auch Zachcial mit beißendem Spott, hat seine Freude an "frechen, garstigen Gesängen".
Wie Hoffmann hat er ein Vergnügen daran, seinen Liedern Zitate aus der deutschen Geschichte voranzustellen. Wie Fallersleben hat er einen ganzen Sack voll Zivilcourage im Gepäck. Bloß wurde damals Fallersleben aus dem Land gejagt, seine Pensionsansprüche wurden von den Preußen gestrichen. "Die Grenzgänger" werden damit ausgezeichnet, dass sie die Tournee der Bundeszentrale musikalisch begleiten. Und ihre CD "Knüppel aus dem Sack" hat gerade den Preis der Deutschen Schallplattenkritik in der Sparte "Song-Chanson-Liedermacher" bekommen. Also "alles paletti" im Jahr 2002? Leider nein, meint Zachcial. "Hoffmann von Fallersleben passt in die heutige Zeit wie die Faust aufs Auge", meint er. "Denn die Philister sind mitten unter uns", so der Gitarrist und Sänger. "Sie lügen und betrügen und reden dabei von Wahrheit und Ehre oder Ehrenwort." Und Panzer seien noch immer keine Traktoren. "Aber natürlich sind die ärgsten Heuler Minister!" Spricht es aus und lenkt beim "Steuerzahlerlied" seinen Blick trostlos gen Himmel oder tiriliert eindringlich "Michels Abendlied". Während Friedemann Bartels am Schlagzeug dem "Fetten Michel" das Vaterland einhämmert. Kleinkunst - ganz groß!
Walter Falk, Die Rheinpfalz, 21.6.2002
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