Es taget in dem Osten (Morgenlied)

Es taget in dem Osten,
Es taget überall.
Erwacht ist schon die Lerche,
Erwacht die Nachtigall.

Wie sich die Wolken röten
Am jungen Sonnenstrahl!
Hell wird des Waldes Wipfel
Und licht das graue Tal.

Die Blumen richten wieder
Empor ihr Angesicht;
Mit Tränen auf den Wangen
Schau´n sie ins Sonnenlicht.

Und könnt´ ein herbes Leiden
Je trüben deinen Mut:
Schau hoffend auf gen Himmel,
Wie´s heut´ die Blume tut,

Und Frieden kehret wieder
Zu dir und Freud´ und Lust,
Und wie´s auf Erden taget,
So tagt´s in deiner Brust.

 Altniederländische Volksweise

Text Hoffmann von Fallersleben , 1831 auf eine Altniederländische Volksweise
auch vertont von Joseph Gersbach , 1831

Die Sterne sind verblichen

Die Sterne sind verblichen
mit ihrem güldnen Schein
Bald ist die Nacht entwichen
der Morgen dringt herein

Noch waltet tiefes Schweigen
Im Tal und überall;
Auf frisch betauten Zweigen
Singt nur die Nachtigall.

Sie singet Preis und Ehre
Dem hohen Herrn der Welt,
Der überm Land und Meere
Die Hand des Segens hält.

Er hat die Nacht vertrieben:
Ihr Kindlein, fürchtet nichts!
Stets kommt zu seinen Lieben
Der Vater alles Lichts

Text: Hoffmann von Fallersleben (1826)
Musik: Joseph Gersbach (1787-1830)