Nach der Revolution

Besuch in Fallersleben

Im elterlichen Hause wurden wir froh empfangen und wir fühlten uns wohl und glücklich. Obschon meine Zeit sehr in Anspruch genommen wurde durch den Familienverkehr, durch Spaziergänge und Besuche, so blieb mir doch noch manche Stunde zu ruhigem Arbeiten. Schon lange hatte ich daran gedacht, die vielen Geschichten, Schnurren und Witze, womit ich mich und Andere zu ergötzen pflegte, in eine Form zu bringen, worin sie meinen Freunden und Bekannten wieder lieb und werth würden. Ich dachte mir eine Gesellschaft von Stammgästen, die sich jetzt, nachdem es gefährlich geworden, sich über Politik frei auszusprechen, auf harmlosere Weise unterhielten. Jedem besonderen…

Umzug nach Bingerbrück

Wir dachten nun ernstlich an unsere Uebersiedelung nach Bingerbrück. Da unsere Wohnung dort noch nicht eingerichtet war, so sollte ich vorher das Nöthige besorgen, Ida wollte dann mit ihrer älteren Schwester Alwine später nachkommen. Am 30. November kam ich in Bingerbück an. Unser Wirt empfing mich sehr freundlich und führte mich in meine Wohnung ein. Ich dankte ihm, daß er mir meine Wünsche erfüllt und den allernöthigsten Hausrath und auch einige Wintervorräthe (Kartoffeln, Obst, Sauerkraut) und Feuerung besorgt hatte. Die nächste Zeit mußte ich nun noch manchen Weg machen für meine häuslichen und litterarischen Bedürfnisse. Ich gelangte wenig zur Ruhe.…

Die Freiheit will errungen, kein Gnadenbissen sein

Am Neujahrstage 1850 besucht Freiherr von Reden, der im Staatsdienste tätig war, das junge Paar. Was genau besprochen wird, erwähnt Hofmann nicht. Reden hinterläßt einen positiven Eindruck. Aber Hoffmann schreibt sich immer noch die Wut vom Hals: "Die Freiheit will errungen, kein Gnadenbissen sein / Mit Fäusten, nicht mit Zungen, greift an und schlaget drein!" Viele Gedichte dieser Jahre bleiben unveröffentlicht. Ein Gedicht schreibt Hoffmann, in dem er sogar seine Vaterlandsliebe zurücknimmt. Da verwandelt er die "Deutsche Eiche" in eine Trauerweide. Hat er resigniert? Der Kampf um die Pressefreiheit, gegen Adelsprivilegien, für die Vereinigung in einem demokratischen Bund, alles umsonst…

Es ist der Anfang des Kampfes

Die rote Fahne wird über ganz Europa wehen ! "Brüder verzaget nicht." 5 Ggr. Ein Müller wird gesucht, der die Bereitung des Maitranks gründlich versteht. (alles aus aufgeklebten Zeitungsausschnitten zusammen gestellt) Also Brüder nicht verzagt ! 5 Ggr ! Ich habe von dem großen Putsch des Jahres 48 nie die Erfüllung unserer Hoffnungen erwartet. Es ist der Anfang des Kampfes, der für uns und ganz Europa durchgekämpft werden muß. Traurig wäre es, wenn wir jetzt schon die Waffen wegwerfen wollten, jetzt, wo wir eben erst zum Widerstande erwacht sind und unsere Einsicht und unser Selbstbewußtsein wächst und reift. Im Gegenteil,…

Der Masse gegenüber Masse zu werden

Heutigen Tages schwindet das Interesse an der einzelnen Persönlichkeit immer mehr. Alles drängt sich der Masse gegenüber Masse zu werden, in der Masse sucht jeder halt und sich geltend zu machen. Das sah ich bereits 1840, und was ich oft über unsere damaligen politischen, religiösen und geselligen Zustände dachte und sprach, bestätigt sich immer mehr. Eine Teilnahme, wie sie für den Verfasser der unpolitischen Lieder in den Jahren 1840-43 war, ist heute kaum denkbar. Wie aber andere ihre Liebe und ihren Haß in Bezug auf Bestrebungen, Richtungen, tun und Treiben hegen, habe ich noch nebenbei eine besondere Vorliebe für diesen…

Pesthauch der Gegenwart

Wie wenig ich von der Zukunft und nächsten Gegenwart erwartete, darüber sprach ich mich klar aus, und mein letztes Lied vor der Abreise aus Bingerbrück war ein Zeugnis dafür. Ich dichtete jetzt Kinderlieder, Lieder für ein neues Geschlecht, denn von dem jetzigen erwartete ich nichts mehr." Bemerkenswert an dem Gedicht "Des Sängers Trost" ist für mich, daß das Wort "Vaterland" nicht einmal auftaucht. Sonst heißt es bei ihm immer Deutschland zuerst, oder daß er noch im Tode einen Trost hat, sie müssen ihn in Deutschland begraben. Jetzt nimmt er die Freiheit zum Hauptthema seines Lebens. Wenn man seinen Lebenserinnerungen Glauben…