Nach der Revolution

.

Freiligrath muß den preußischen Staat verlassen?

Da erhielten wir noch abends einen Besuch und zugleich die Nachricht: Freiligrath muß den preußischen Staat verlassen, er hat endlich Bescheid von der Regierung erhalten, es ist ihm nur eine Frist von sechs Wochen gestattet. So steht's mit großer Schrift in der heutigen Kölner Zeitung. - Den andern Tag sah ich in der Kölner und sonstigen Zeitungen nach. Bis jetzt habe ich nirgend diese Nachricht gefunden. Ich bitte Dich nun dringend, schreib mir recht bald, wie es steht.(...) 14.2.1851, Bingerbrück, an Freiligrath in Köln

Heimatklänge

"Wer singt denn hier in dem viel bewunderten, hoch gepriesenen Rheinlande, an dem heiligen Flusse, dem Ganges der Deutschen ? Das Volk trinkt saueren Wein, verrichtet schwere Arbeiten und ist in seinem Elende froh, wenn es beten und die Steuern bezahlen kann." Allmählich singt Hoffmann wieder von Deutschland, die dänisch -preußische Ausseinandersetzung hat sein Augenmerk wiedr auf den äußeren Feind gelenkt. Zwischen Lieder, die noch immer von Trauer und Rachegefühlen sprechen, mischen sich andere Töne, doch die Trauer überwiegt. "So mußten wir es denn erleben, daß eine Welt in Trauer fällt" und "Es ist vorbei" heißen Gedichte vom April 1851…

Auf den Trümmern meiner Hoffnungen

Warum sagst Du mir nicht, was Dir fehlt, was dich drückt ? Es würde mich vielleicht beruhigen, es würde mich bereit finden, Dich zu trösten. So aber läßt Du mich ohne alle nähere Mitteilung. Du sprichst von einem Unglück, sagst aber nicht, was für ein Unglück. Ihr seid doch wohl und munter ! (...) Du hattet früher einen heiteren Sinn, und es bewährte sich an Dir, was Tasso so schön sagt: Wir Menschen werden wunderbar geprüft, wir können's nicht ertragen, hätt' uns nicht den holden Leichtsinn die Natur verliehen. Warum nun aber jetzt auf einmal diese Klagen, diese trostlose Stimmung…

Opern und Kirchenlieder

Das neue Jahr (1852) begann ich mit dem festen Entschlusse, eine neue Ausgabe meiner " Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit " zu veranstalten. Bei den vielen Nachträgen, die ich selbst gesammelt hatte oder der Güte meiner Fachgenossen verdankte, hielt ich die Arbeit nicht für so schwierig. Bald aber stellte sich heraus, daß sie es war: eine völlige Umarbeitung schien mir nothwendig, und dazu war viel Zeit und Mühe erforderlich, so wie eine längere Benutzung einer großen Bibliothek. Trotzdem arbeitete ich ruhig weiter und dachte: kommt Zeit, kommt Rath. Am 12. Januar nahm ich theil an der Liedertafel,…

Brief an Ferdinand Wolf in Wien

Lieber Freund! So oft ich Ihren Namen las, habe ich mich immer herzlich gefreut, denn seit so langer Zeit, dass wir uns nicht gesehen und geschrieben, erfuhr ich nur immer Gutes von Ihnen. Wir werden uns wohl schwerlich je wiedersehen, uns die alten schönen Tage an der Donau zu erneuen. Es hat sich in unserm lieben Vaterlande Alles so gestaltet, dass unser einer schon froh ist, wenn er in seinem vier Pfählen der Kunst und den Wissenschaften und seiner Familie leben kann. Trotzdem aber bleibt es uns ja unbenommen, uns über unsere persönlichen Verhältnisse und wissenschaftlichen Studien auszusprechen. Und so…

Erneute Vertreibung aus dem Königreich Hannover

Hochgeehrter Herr Landrat! Ew. Hochwohlgeboren werden aus der heutigen Koblenzer-Zeitung ersehen haben, daß ich vor einigen Tagen aus dem Königreiche Hannover ausgewiesen wurde. Ich halte es für meine Pflicht, Sie vollständig von dem Zwecke meines dortigen Aufenthaltes und meinen Arbeiten und Erlebnissen in Kenntnis zu setzen.(...) Ich arbeitete täglich zwölf Stunden. Ich hatte so wenig Zeit übrig, daß ich kaum an Besuche denken konnte.(...) Als ich schon abzureisen bereit war, wollten meine Freunde und einige Göttinger Bürger mich noch mal sehen. Es war ein kleines Abendessen veranstaltet.(...) Das einzig Politische war ein Toast, ich weiß nicht von wem, auf den…