Wurzeln bis ins Mittelalter

Hoffmann, der Germanist und ausgezeichnete Kenner der deutschen Literatur konnte bei der Verfassung seiner Nationalhymne weit zurückgehen in der Geschichte. Die Formel „Deutschland über alles“ hat Wurzeln, die bis zu Walter von der Vogelweide, dem Minnesänger des 11. Jahrhunderts, zurück reichen. „Österreich über alles, wenn es nur will“ betitelt Philipp Wilhelm von Hörningk 1684 sein Hauptwerk, in dem es um die Entfaltung der Wirtschaftskraft Österreichs geht, und 1809 wurde im Wiener Hofburgtheater in Gegenwart des österreichischen Kaiserpaares das Lied „Österreich über alles“ des patriotischen Dichters Heinrich Joseph Collin (1771 – 1811) aufgeführt. Selbst Beethoven hat in der Begeisterung des Krieges gegen Napoleon eine Melodie für dieses Lied skizziert. Durch die österreichische Niederlage im gleichen Jahr (Friede von Wien) geriet das Lied aber zunächst wieder in Vergessenheit.

Nach dem Sieg über Napoleon 1813 lösten die Fürsten ihre Versprechungen vom Wiener Kongreß 1815 allerdings nicht ein. Der preußische König Friedrich Wilhem III. weigerte sich, seinem Land eine Verfassung gemäß Artikels 13 der Wiener Bundesakte von 1815 zu geben. Nach dem Wartburgfest im Oktober 1817, auf dem die deutschen Studenten die Einlösung des Verfassungsversprechens und die deutsche Einheit forderten, erschien in Leipzig anonym die Schrift „Preußen über alles“, in der die fortschrittlichen Kräfte in Preußen bestärkt werden sollten. Der Verfasser , Samuel Gottfried Reiche, lebte in Breslau und vermutlich kannte ihn Hoffmann sogar.
Ein paar Jahre später schrieb Ernst Moritz Arndt sein Lied „Was ist des Deutschen Vaterland“. Hoffmann kannte natürlich auch diesen Text, er hat ihn später parodiert in dem Lied „Wo ist Vetter Michels Vaterland“: Die erste Strophe lautet:

Was ist des Deutschen Vaterland ? Ist’s Preußenland ? Ist’s Schwabenland ? Ist’s wo am Rhein die Rebe blüht ? Ist’s, wo am Belt die Möwe zeiht ? O nein, o nein,! Sein Vaterland muß größer sein !

Weiter bezieht Ernst Moritz Arndt dann Österreich und die Schweiz ein, ein „Deutschland, soweit die deutsche Zunge klingt“, dies alles gegen den „Franzmann“ gerichtet, den „welschen“ Erbfeind. Das Lied wurde 1825 von Reichardt vertont und diente für weite Teile der Bevölkerung als Nationallied, in einer Zeit, als Deutschland als Einheitsstaat nur eine Idee war. Ein Jahr zuvor (1824) hatte Hoffmann sein Heimatlied geschrieben: „Nur in Deutschland, da will ich ewig leben.“, er gefällt der Römerin, er aber begehrt, liebt und will nur ein deutsches Schätzlein.

Tümmler entschuldigt in seiner Fallersleben-Biographie den haßerfüllten Überschwang des Arndtschen Liedes damit, daß es eben ein Kampflied gewesen sei, geboren aus einer bestimmten kriegerischen Situation. Aber auch Hoffmanns Hymne, wie aus den Zeitumständen ersichtlich wird, war ja ein Kampflied ! Und ein Franzosenfreund war er nun wirklich nicht. Zwar war Hoffmanns Satz „Deutschland über alles“ gegen die Zersplitterung des Landes in einzelne Fürstentümer gerichtet, aber eben nicht nur. Immer war es auch gegen den äußeren Feind gewendet, gegen andere Europäische Großmächte, vor allem Frankreich.

Aber auch Preußen und Österreich, die ja mit zum deutschen „Vaterland“ gehörten, waren solche Großmächte. Zwar kann man aus dem Liede selbst keinen Haß gegen Frankreich ableiten, die Grenzen „von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ waren faktisch die Grenzen des deutschen Bundes. Dieser Zusammenhang ergibt sich aber aus sonstigen Äußerungen Hoffmanns, und natürlich hält man „zu Schutz und Trutz“ gegen den äußeren Feind zusammen. Allerdings hatte sich das Land ja auch gerade erst von der Franzosenherrschaft befreit.
1840 entstanden dann eine ganze Reihe von „Rheinliedern“, die zum Kampfe gegen Frankreich aufriefen, sollten die Franzosen es wagen, den Rhein zu überschreiten.