Frühlingsjubel

Heisa, lustig im sonnigen Wetter
Wenn durch Blüten und säuselnde Blätter
Lieblich tönet der Vögel Geschmetter
Ei, wer könnte da traurig noch sein

Wenn die silbernen Quellen erklingen
Auf dem Anger die Blumen entspringen
Schmetterlinge zum Reigen sich schwingen
Ei, wer könnte da traurig noch sein

Freud und Lust hat sich wieder gefunden
Was da kränkelte, muß nun gesunden
Denn der Winter, er ist ja verschwunden
Ei, wer könnte da traurig noch sein

Laßt uns singen, laßt uns scherzen
Laßt uns freun und fröhlich sein
Denn fürwahr! in frohe Herzen
Kehret nur der Frühling ein

Text:  August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Ein Vogel ruft im Walde

Ein Vogel ruft im Walde,
ich weiß es wohl, wonach?
Er will ein Häuschen haben,
ein grünes laubig Dach.

Er rufet alle Tage
und flattert hin und her,
Und in dem ganzen Walde
Hört keiner sein Begehr.

Und endlich hört´s der Frühling,
Der Freund der ganzen Welt,
Der gibt dem armen Vöglein
Ein schattig Laubgezelt.

Wer singt im hohen Baume
So froh vom grünen Ast?
Das tut das arme Vöglein
Aus seinem Laubpalast.

Es singet Dank dem Frühling
Für das, was er beschied,
Und singt, so lang´ er weilet,
Ihm jeden Tag ein Lied

Text: Hoffmann von Fallersleben –
Melodie von Maria von Nathusius

Blauer Himmel milde Luft (Frühlingslied)

Blauer Himmel, milde Luft,
Vogelsang und Blütenduft.
Überall Sang und Schall,
Freud´ und Leben überall:
Und in diesen schönen Tagen,
Herz, und du nur wolltest klagen?

Wie die Ros´ in ihrer Pracht
Froh der Sonn´ entgegenlacht,
Lächle du voller Ruh
Gottes lieber Sonne zu!
Fürchte keine Nacht auf Erden!
Immer muß es Morgen werden.

Du mußt dein Herz zum Frühlingsgarten weihn

Du mußt dein Herz zum Frühlingsgarten weihn,
Pflanz liebe Blumen edler Art hinein:
Geduld und Hoffnung, Lieb´ und Heiterkeit
Und auch das Blümelein Zufriedenheit!

Dann magst du deinen Garten Gott vertraun,
Auf seine Lieb´ und seine Güte baun;
Doch mußt du auch das Deine freudig tun:
Gott gab das Leben nicht, um auszuruhn.

Und wenn dir dann die Blumen lieblich blühn,
Wirst du vergessen alle Sorg´ und Mühn,
Und wie sie lächeln dir, so lächelst du
Der ganzen Gotteswelt auch freundlich zu.

0 pfleg den Garten! halt ihn immer rein!
Laß nie des Unmuts Unkraut drin gedeihn!
Dann wird, wenn sich auch stellt der Winter ein,
Dein Herz auch noch ein Frühlingsgarten sein.

Ach, wo ich gerne bin (Was fang ich an?)

Ach, wo ich gerne bin,
Da soll ich nimmer hin,
Und wo ich bleiben muß,
Da hab ich nur Verdruß.
Nach dem Walde soll ich nicht,
In den Garten mag ich nicht,
In der Stube bleib´ ich nicht —
Was fang´ ich an?

Ach, in dem Wald allein,
Da kann man lustig sein;
Da grünt es überall,
Da singt die Nachtigall.
Mutter, laß mich geh´n hinaus,
In den grünen Wald hinaus!
Einen schönen Blumenstrauß,
Den bring´ ich dir.

Könnt´ ich ein Vogel sein,
Flog´ ich in den Wald hinein,
Zur reinen Maienluft,
Zum frischen Laubesduft!
Nach dem Walde soll ich nicht,
In den Garten mag ich nicht,
In der Stube bleib´ ich nicht —
Was fang´ ich an?

Der Kuhhirt bläst (Der erste Kuhaustrieb)

Der Kuhhirt bläst – ihr Ochsen, Küh‘ und Kälber,
Frisch auf Victoria !
Ihr seid jetzt reif – frisch auf ! erfahrt es selber:
Der Freiheitstag ist da.
Ihr sollt nicht ewig in dem Stalle stehen
Bei Häcksel, Heu und Stroh;
In Gras und Blumen sollt ihr euch ergehen
und springen frei und froh.

Hinaus, hinaus ! wo reine Lüfte fächeln
euch Freiheit in die Brust,
wo euch die grünen Au’n und Wiesen lächeln
zu Freud‘ und Frühlingslust.
Wir aber, eure Herren, können harren
bis unser Hirte bläst,
und wenn er bläst, dann sind wir arme Narren
fast tot und halb verwest.

Melodie: Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher

Der Frühling ist ein Maler (Maler Frühling)

Der Frühling ist ein Maler,
Er malet alles an,
Die Berge mit den Wäldern,
Die Täler mit den Feldern:
Was der doch malen kann!

Auch meine lieben Blumen
Schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen!
So schön kann keiner malen,
So schön, wie er es macht.

O könnt´ ich doch so malen,
Ich malt´ ihm einen Strauß
Und spräch´ in frohem Mute
Für alles Lieb´ und Gute
So meinen Dank ihm aus!

-1873

Wißt ihr was ich meine meine

Wißt ihr, was ich meine, meine?
Singen wollen wir!
Kuckuck ruft und Kiebitz schreit,
Frühlingszeit bringt Fröhlichkeit.
Kommt und singt mit mir!

Wißt ihr, was ich meine, meine?
Tanzen wollen wir!
Wo die bunten Blumen blühn
Tanzt sich´s gut im frischen Grün.
Kommt und tanzt mit mir!

Wißt ihr, was ich meine, meine?
Froh sein wollen wir!
Denn der Frühling ja gebeut,
Daß sich alle Welt erfreut.
Kommt, freut euch mit mir

1865

Als die Rosen wurden grün (Die erste Rose)

Als die Rosen wurden grün,
0 wie freut´ ich mich so sehr!
Und wenn sie nun nächstens blühn,
0 dann freu ich mich noch mehr!

Dankbar spendet mir der Strauch
Seine volle Blütenpracht;
Hab´ ich ihn gepflegt doch auch
Und so gerne sein gedacht.

Und so soll auch mein Gemüt
Blühn in Freud´ und Dankbarkeit,
Wie die erste Rose blüht
In der schönen Maienzeit.

Und das Schönst´ in Wald und Flur
Will ich froh und dankbar weihn,
Auch die erste Rose nur
Meinem lieben Mütterlein.

-1864

Der Frühling beginnt (Hinaus geschwind)

Der Frühling beginnt!
Hinaus geschwind!
Geschwind hinaus,
Geschwind, mein Kind!
Hinaus aus dem Haus!
Der Frühling beginnt!

Froh wie Sonnenschein
Lach in die Welt hinein!
Laß, wie die Blume blüht,
Blühen auch dein Gemüt!
Spring, wie der Vogel springt,
Sing, wie der Vogel singt!

Vogel, so froh und frisch,
Der nicht zu sorgen braucht,
Wo ihm ein Herd wohl raucht,
Wer ihm wohl deckt den Tisch?
Hinaus geschwind!
Hinaus, mein Kind!
Der Frühling beginnt.

-1857