Der Frühling hat es angefangen (Herbstlied)

Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hat´s vollbracht.
Seht, wie mit seinen roten Wangen
So mancher Apfel lacht!

Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
Er teilt sie fröhlich aus
Und geht dann wie am Bettelstabe,
Ein armer Mann, nach Haus.

Voll sind die Speicher nun und Gaden,
Daß nichts uns mehr gebricht.
Wir wollen ihn zu Gaste laden,
Er aber will es nicht.

Er will uns ohne Dank erfreuen,
Kommt immer wieder her:
Laßt uns das Gute drum erneuen,
Dann sind wir gut wie er.

Melodie von B. E. Philippi

Herbst ist es wieder

Herbst ist es wieder, gelbe Blätter fallen,
Die Schwalbe mit dem Storch gen Süden zieht,
Und nur des Kranichs Abschiedslieder schallen,
Und durch die Stoppeln singt der Wind sein Lied.

Der Nebel hüllet ein des Tages Sonne,
Hin ist des Sommers lichte Freud´ und Wonne.
Wie könnten wir doch solche Zeit ertragen!
Die Hoffnung tröstet uns in unserm Leid.

Es kommt nach diesen stillen, trüben Tagen
Die lichte, freudenreiche Sommerzeit.
Sie bringt uns Sonnenwärme, Blumen, Lieder,
Sie bringt uns unsers Herzens Wonne wieder.

(1869)

Ich bin in den Garten gegangen

Ich bin in den Garten gegangen
Und mag nicht wieder hinaus.
Die goldigen Äpfel prangen
Mit ihren roten Wangen
Und laden ein zum Schmaus.

Wie ist es anzufangen?
Sie sind mir zu hoch und fern.
Ich sehe sie hangen und prangen
Und kann sie nicht erlangen
Und hätte doch einen gern!

Da kommt der Wind aus dem Westen
Und schüttelt den Baum geschwind
Und weht herab von den Ästen
Den allerschönsten und besten —
Hab Dank, du lieber Wind!

-1858