Revolution in Deutschland

.

Das feige Menschengeschlecht

Am 20. Mai verläßt er Berlin und hält sich in Holdorf auf. "Es war für mich eine wohltuende Beschäftigung, daß in diesen Tagen der Aufregung und Ermattung, während sich andere mit der politischen Seite unseres Volkes abmühten, ich mich an seiner poetischen freuen und erquicken konnte." Während der Gutsbesitzer Schnelle über vom Vorparlament und den Fünfzigerausschuß, dessen Mitglied er gewesen war, erzählt, sortiert Hoffmann Volkslieder nach Jahreszeiten. Dann fährt er wieder nach Berlin, von wo er am 22. Juni 1848 an Rudolf Müller in Holdorf in Mecklenburg schreibt: "Die Nationalversammlung, die bis morgen vertagt ist, wird nun wohl wieder beginnen.…

Hoffmann in Fallersleben

"Nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin traf ich am 2. Juli in Fallersleben ein, hocherfreut, daß ich endlich unangefochten meine Heimat und mein Geburtshaus wieder betreten durfte. Als ich eben angekommen war, führte man mich in eine Volksversammlung. Ich war nicht wenig erstaunt über die völlig verwandelten ehrsamen Spießbürger. Wenn sie sonst zusammenkamen und sich über das Wetter und ihre Tagesbeschäftigungen ausgesprochen hatten, setzten sie sich an den Spieltisch und ihre ganze Unterhaltung drehte sich ums Spiel, und wenn das letzte Spiel gemacht, die Pfeife ausgeraucht und das Glas ausgetrunken war, ging jeder sehr befriedigt nach Haus. Jetzt hatte sich…

Hoffmann hat Geldprobleme

Verehrte Freundin ! Bei meinem letzten kurzen Aufenthalt in Berlin - ich war nur anderthalb Tage dort - war es mir nicht möglich, Sie zu besuchen. Endlich hoffte ich über meine Anstellung genügend Auskunft zu erhalten. Umsonst. Ich hatte mich von Breslau aus den 15. April an das Staatsministerium gewendet. Leider aber scheint man die Amnestie vom 20. März - gewiß ganz gegen den Willen des Königs - nicht auf mich anwenden zu wollen. Das Ministerium soll eine für mich höchst ungünstige Erklärung abgegeben haben. Das ist mir völlig unbegreiflich. 1. konnte ich nach den Karlsbader Beschlüssen gar nicht weiter…

Geld ist bewilligt

Am 9. Oktober, ist Hoffmann wieder in Berlin, um an Ort und Stelle "seine Angelegenheiten besser zu betreiben". Trotz Sprechstunde wird er beim zuständigen Beamten nicht vorgelassen, ein Freund überreicht dann seine Eingabe dem Ministerpräsidenten direkt. Es zeichnet sich ab, daß er Wartegeld bekommen wird. Wieder in Holtdorf erhält er am 20. Oktober ein Schreiben des Kultusministers, das Wartegeld in Höhe von 375 Talern wäre bewilligt, allerdings müsse er hierfür seinen Wohnsitz in Preußen nehmen. Am 30.Oktober nimmt er Abschied von Rudolf Müller und Mecklenburg. Vom 31. Oktober an weilt er in Berlin und sitzt oft in der Bibliothek.

Heirat mit Ida vom Berge

Am 28. Oktober 1848 heiratet Hoffmann seine Nichte Ida vom Berge, auch die Hochzeit bleibt nicht frei von den politischen Umständen: "Pastor Adolf Klügel hielt die Traurede. Er hatte zum Text genommen Ruth 1, 16: "Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott." Er sprach sehr schön, er wußte durch die Beziehungen auf mein Leben, die freilich sehr nahe lagen, aller Herzen zu rühren." ( Mein Leben , IV, S.81) Mit der Heirat enden die allmählich politischen Berichte in seinen Lebenserinnerungen, ab…

Robert Blum wird ermordet

"Und was ich sang, es ist erfüllt", dachte sich Hoffmann, die Freiheit ist schon errungen. In diesem Bewußtsein sitzt er also seelenruhig in der Berliner Bibliothek, kein Gedanke an die Reaktion! Da wird am 8. November sein Freund Robert Blum, der als Delegierter für die Nationalversammlung nach Wien geschickt wurde, vom Militär standrechtlich erschossen. "9. November. Große Aufregung in der Stadt. Die Nationalversammlung, vom König aufgelöst, tagt weiter. Um 12 nachts besuche ich in Begleitung einiger Abgeordneten den Saal der Nationalversammlung und setze mich auf den Präsidentenstuhl. Ringsum alles still und leer. Sic transit gloria mundi." Was für ein Bild,…