Revolution in Deutschland

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Brief an Rudolf Müller in Holdorf

Am 12.11.1848, Berlin, an Rudolf Müller in Holdorf in Mecklenburg : Lieber Rudolf ! Noch ist Berlin ruhig. Ich komme soeben aus der National-Versammlung, die jetzt im Schützenhause in der in der kleinen Königstraße seit 2 Uhr tagt. Nachdem das Protokoll verlesen war, ging der Präsident über auf die Adressen und Petitionen. Alle würden der Kürze nach von der Petitionskommission erwähnt werden, bei einer Adresse müsse jedoch eine Ausnahme stattfinden, diese sei eine vom Vorstande des Mecklenburgischen Landtags (Lautes anhaltendes Bravo !) Der Präsident las den Anfang (abermaliges Bravo und Beifallklatschen im Saale und auf der Galerie), und dann den…

Einsam in Mecklenburg

"Im neuen Jahre (1849) war meine wehmütige Stimmung eine nachhaltige, denn unsere Zustände wurden täglich trostloser. Obschon ich wenig Hoffnung mir machte, dass meine Ausweisung aus Berlin zurückgenommen würde, so schien es mir doch Pflicht, Alles dafür zu versuchen. " Am 3. Januar schrieb Hoffmann das Lied "Michels Abendlied im Belagerungszustande": Da schlug voll Freud und Hoffnung / gar froh das deutsche Herz / Begeistert riefen alle: / "Willkommen , schöner März!" / Ihr hoffnungsreichen Blüten / wie waret ihr so taub / Du Feuer der Begeisterung / wie bist du Asch und Staub. " Am 5. Januar wendete ich…

Winter in Mecklenburg

21. Januar. Hoffmann in Holdorf, einsam, Winter, Kälte, Stürme, niemand dem er sich mitteilen kann, zitiert Ovid, den er später als Schweinepoeten bezeichnet und schreibt seiner Braut Ida: "Ich bin durchaus nicht niedergeschlagen durch den Umschwung, den auf einmal die politische Entwicklung genommen hat. Die Idee der Freiheit wird trotz aller Reaktion doch zur Verwirklichung kommen. Die Philister, die ihr bis jetzt noch entgegen sind und durch Masse, Geld und Ämter herrschen, sind doch auch nur von dieser Welt, und der Teufel wird schon so gütig sein und sie gelegentlich holen. Also Mut, meine Geliebte, und Geduld ! Unser wird…

Unser wird der Sieg

Mit Ida unterhielt ich einen lebhaften Briefwechsel. Ich hatte ihr meinen Wunsch öfter schon mündlich ausgesprochen, sie möchte sich doch jetzt auch mit der Theorie der Musik beschäftigen, damit sie befähigt würde, selbst componieren zu können, auch empfahl ich ihr das Studium der Volksweisen. Am letzten Januar schrieb ich ihr einen langen Brief und schloß: "Ich entbehre es jetzt schmerzlicher als je, daß ich nicht selbst so viel spielen kann, daß es mir möglich wird, den Werth jeder Melodie sofort zu ermitteln. Meine Studien bringen mich nun einmal fortwährend ins Gebiet der Musik, ohne Musik kann ich nicht mehr leben.…

Onkel liebt Nichte

Ida war durch meine Briefe in Verlegenheit gekommen und wußte nicht was sie darauf antworten sollte. Sie wendete sich deshalb an ihre ältere Schwester Alwine und diese schrieb ihr am 9. Februar: "Daß Du Onkels Briefe mitgeschickt hast, hast Du sehr gut gemacht, und wenn er es wüßte, würde er gewiß nichts dagegen haben, daß wir sie auch gelesen, denn sie enthalten weder Sinn noch Worte, die auch nicht für einen Dritten wären. Ich habe Onkels Brief gleich verstanden, und es ist mir auch gar kein anderer Gedanke dabei gekommen, als daß er auf eine sehr liebenswürdige und trauliche Weise…

Politik und wieder Politik

Ueberall wohin ich kam nichts als Politik und wieder Politik. Obschon noch Mancher in Hoffnungen auf eine schöne Entwicklung unserer traurigen Verwickelungen schwelgte, so konnte ich es doch nicht, ich war längst enttäuscht und sprach meine Verstimmung unverholen aus. Wie ich schon voriges Jahr " Zwölf Zeitlieder " hier bei F.M. Meinecke hatte drucken lassen, so ließ ich jetzt wieder ein " Neues Dutzend " nachfolgen. Es waren meist ältere Lieder, die mir aber jetzt erst recht zeitgemäß schienen. Ich war nicht mehr in Zweifel über unsere nächste Zukunft, ich sah schon vorher Alles zu klar, und sprach es am…