Revolution in Deutschland

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Badische Revolution vom Rande

Vom 25. Mai bis 2. Juli in Geisenheim. Es that mir wohl, nicht mehr in unmittelbarer Nähe den Kriegslärm zu hören und in fortwährender Angst und Aufregung leben zu müssen. Auf den kleinen Kreis lieber Freunde und Bekannten beschränkt, hatte ich wenigstens Ruhe zu arbeiten und es blieb mir auch Zeit, in dem friedlichen schönen Rheingau allein umher zu wandeln und mir wieder gehören zu können. Freilich gab es denn immer noch Stunden, ja Tage, an denen die Aufregung groß war, wenn bedeutende Nachrichten einliefen aus Frankfurt , Stuttgart , Berlin , Wien und vom Kriegsschauplatze. Aber auch außerdem hatte…

Lauter Erzheuler und Rückwärtsler

Juni 1849

Noch stehen 20000 Mann für die Sache der Freiheit

27.6.1849, Frankfurt, an Rudolf Müller in Holdorf in Mecklenburg: In Bingerbrück stehe ich "unter dem rheinischen Rechte, wonach man für ein Gedicht nicht so leicht auf die Festung geschickt wird, wie das wirklich neulich in Halle geschehen. Dort hat man einen armen Teufel, der die Steuerverweigerung poetisch empfohlen hat, zu dreijähriger Festungsstrafe verurteilt. Schöne Gegend ! Vom Kampfplatze immer noch nichts Amtliches, dagegen viele verworrene und unvollständige Berichte. Aus allen geht jedoch hervor: das Volksheer hat sich durchgeschlagen nach Rastatt und an die Murg, und "mein herrliches Kriegsheer" mit seinen "herrlichen" Anhängseln, namentlich Mecklenburgern, hat in allen Treffen sehr viel…

Itzstein im Exil

Den 3. Juli verließ ich Geisenheim und hoffte eine Zeitlang bei Itzstein weilen zu können. Als ich von Oestrich aus schon den halben Weg nach Hallgarten hinauf zurückgelegt hatte, erfuhr ich, daß Itzstein noch nicht zurückgekommen sei. Ich ging aber doch hinauf, packte meine Sachen um, nahm das Nothwendigste mit und fuhr um 7 mit dem Localboot nach Bingen. Jede literarische Tätigkeit, die ins politische Gebiet hinüber streifte und nicht mit der reaktionären Richtung übereinstimmte, galt damals für regierungsfeindlich und konnte für ihren Verfasser von den schlimmsten Folgen sein. In Bingen wollte ich am 4. Juli mein fertiges Manuskript der…

Schmach des Vaterlands

"Jede literarische Tätigkeit, die ins politische Gebiet hinüber streifte und nicht mit der reaktionären Richtung übereinstimmte, galt damals für regierungsfeindlich und konnte für ihren Verfasser von den schlimmsten Folgen sein. In Bingen wollte ich am 4. Juli mein fertiges Manuskript der zweiten Auflage der Spitzkugeln dem Buchdrucker übergeben. Er kam von Rüdesheim herüber, mußte aber unverrichteter Sache heimkehren, denn kurz vor seiner Ankunft hatte ich das neue preußische Preßgesetz vom 20. Juni gelesen. Am 16. Juli reist Hoffmann nach Hallgarten, um Itzstein zu treffen: ""Ich hegte noch immer die Hoffnung, daß dieser Tage Itzstein heimkehren würde, und seine Leute konnten…

Verlobung mit Ida vom Berge

Am andern Morgen ging ich nach Bielefeld und den 29. Juli kam ich in Bothfeld an. Ich trat in das Pfarrhaus ein mit der festen Absicht, Ida zu heiraten. Ich war heiter und voll Zuversicht, daß ich mein Ziel erreichen würde. Die Zustimmung der Eltern schien mir gesichert, nur hatte der Vater als Geistlicher Bedenken: nach den hannoverschen Kirchengesetzen durfte er eine eheliche Verbindung zwischen so nahen Verwandten nicht begünstigen, ja es war vielmehr Pflicht für ihn, dagegen zu wirken, er mußte deshalb auch das Aufgebot und die Trauung ablehnen. Es handelte sich also für mich nur noch um Ida. Ich…