Die Revolution in Breslau

Am 13. April 1848 kehrt Hoffmann aus Berlin zurück:

„Abends ging ich in den Löwenkeller. Wie war ich überrascht, als ich unter diese Kellergäste geriet ! Ich dachte wirklich einen Augenblick, ich wäre in einen Revolutionskonvent geraten. Junge und alte Leute von verschiedenen Lebensberufen, Bürgerwehrmänner mit Schlepp- und anderen Säbeln sprachen lärmend und laut ihre politischen Ansichten aus, keiner ließ den anderen Recht zu Worte kommen. War das ein Lärm, ein Getöse ! Ich kannte meine „guttmittigen“ Breslauer nicht wieder.“ Im Badischen kämpften inzwischen die Republikaner gegen Bundestruppen, der Aufstand versiegt im Kugelhagel der Soldaten.

Am 15.April sucht Hoffmann um Wiedereinsetzung in seine Professur nach, auf Grund des Amnestieerlasses. Den Tag über hält er sich „sehr zurückgezogen, den Abend besuchte ich mit Resch den Annakeller. Viele in der Gesellschaft, die sich plötzlich zu tapferen Fortschrittsmännern hinauf geschwindelt hatten, blickten auf mich in ihrem stolzen Selbstbewußtsein mitleidig herab.“

„An mehreren Breslauer Straßenecken“ ist sein Gedicht von 1842 „Der Minister in der Hölle“ mit einer Illustration auf großen gelben Bögen angeklebt. Obwohl er nicht der Täter ist, wird dieser Vorfall später zum Anlaß genommen, ihn nicht wieder anzustellen.

„Abends besuchte ich den „demokratischen Club“. Wie sehr mancher von der Macht und dem Einfluß der Demokraten überzeugt war, das konnte ich aus manchen Äußerungen abnehmen. So bemerkte mir einer, als ich sagte, ich hätte mich an das Staatsministerium wegen Wiederanstellung gewendet: Was ? An das Ministerium ! Wozu ? Besteigen Sie morgen das Katheder, lesen Sie, das ist eine vollendete Tatsache, und – Sie sind wieder Professor in Amt und Würden !

Denselben Abend wurden noch mehrere Katzenmusiken gebracht. Den folgenden Abend begnügte sich das Volk nicht mehr mit diesen zeitgemäßen Kunstleistungen, es tobte lärmend auf den Straßen umher und fing in seinem Übermut an, mehrere Bäckerläden zu stürmen und zu plündern. Erst um 12 Uhr ward es ruhig und um 1 Uhr wurden erst Soldaten sichtbar. Das, was ich bis jetzt gehört und gesehen, war durchaus nicht geeignet, Vertrauen zu erwecken auf die Fähigkeit derjenigen, welche sich an die Spitze der Volksbewegung gedrängt hatten. Verstimmt über die schon jetzt von mancherlei Seiten gefährdete politische Entwicklung verließ ich Breslau.“