Hoffmann hat Geldprobleme

Verehrte Freundin ! Bei meinem letzten kurzen Aufenthalt in Berlin – ich war nur anderthalb Tage dort – war es mir nicht möglich, Sie zu besuchen. Endlich hoffte ich über meine Anstellung genügend Auskunft zu erhalten. Umsonst. Ich hatte mich von Breslau aus den 15. April an das Staatsministerium gewendet. Leider aber scheint man die Amnestie vom 20. März – gewiß ganz gegen den Willen des Königs – nicht auf mich anwenden zu wollen.

Das Ministerium soll eine für mich höchst ungünstige Erklärung abgegeben haben. Das ist mir völlig unbegreiflich.
1. konnte ich nach den Karlsbader Beschlüssen gar nicht weiter belangt werden, denn wenn jemand etwas mit Bundeszensur hat drucken lassen (die unpolitischen Lieder waren mit holsteinischer Zensur gedruckt !), so ist er nachher gar nicht mehr dafür verantwortlich.
2. konnte ich als Professor ordinarius nur vom Staatsrate und vom König selbst, nicht aber, wie es geschehen ist, auf Disziplinarwege vom Staatsministerium abgesetzt werden. Das Kultusministerium scheint jedoch mildere Gesinnungen zu hegen und die Amnestie anerkennen zu wollen, nur will es mich nciht wieder anstellen. Unter der Hand hat man zu verstehen gegeben, man wolle mir meinen ehemaligen Gehalt als Wartegeld geben. Jetzt warte ich und warte immerzu, bald sind fünf Monate vergangen. Da sie nun viele Leute kennen, so kennen Sie auch wohl jemanden, der, ohne eben ein Staatsverbrechen zu begehen, Ihnen mitteilt, was man denn eigentlich mit mir vorhat. Sie würden mich sehr erfreuen, wenn Sie mir irgend eine bestimmte Nachricht mitteilten, damit ich endlich aus dieser peinigenden Ungewißheit herauskomme.

Wo aber bleibt Hoffmanns Antwort an das Volk, das ihn so ehrt ? Während sein Freund Hecker in Baden mit der Waffe in der Hand kämpft, Freiligrath das Gedicht „Die Toten an die Lebenden“ schreibt und dazu aufruft, die ganze Revolution zu machen, Georg Herwegh Gleichgesinnte für den bewaffneten Kampf um sich sammelt, sehnt sich Hoffmann nach Schutzmitteln gegen spätere Unbill. Auch die Bürgerwehr, der er ein „Wehrmannslied“ zugeeignet hatte, bringt ihm vor seinem Haus ein „Hoch“ aus, aber:

„Trotz dem vielen Erfreulichen, was ich erlebte, wurde die Erinnerung an meine Ausweisung immer wieder wach, die fünf Jahre der Verbannung aus meiner Heimat konnte ich noch immer nicht vergessen.“