Sie bracht ein frisches Sträußchen mir

Liebesgedichte | | 1870

Sie bracht ein frisches Sträußchen mir
Von Veil und Immergrün.
Ich trug’s an meinem Herzen hier
Und mußt es sehn verblühn.

Im Herzen aber blüht es fort
Und kann auch nie verblühn,
Denn meine Liebe bleibt mein Hort,
Mein freudig Immergrün

Ach, es treibt mich hin und wieder,
Wie ich liebe, dir zu klagen;
Könnten’s doch nur meine Lieder,
Ach, und könnten sie’s dir sagen!

Frühe brach ich diese Rose
Und betaute sie mit Tränen,
Klagen mag die seelenlose
Dir mein Leiden, dir mein Sehnen.

Droben warst du am Geländer,
Jeden Schnitter zu belohnen,
Gabst dem einen bunte Bänder,
Gabst dem andern Blumenkronen.

Bittend wär´s auch ich gekommen,
Stand schon an der Gartenpforte,
Aber – hättest nichts vernommen;
Denn ich hatte keine Worte.

Darum brach ich diese Rose
Und betaute sie mit Tränen,
Klagen sollt‘ die seelenlose
Dir mein Leiden, dir mein Sehnen.

Denn es trieb mich hin und wieder,
Wie ich liebe, dir zu klagen.
Rose, mehr als alle Lieder,
Liebe Rose, magst du sagen!