So hochgeboren ist kein Mann (König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen)

So hochgeboren ist kein Mann
daß er die Lieb´ entbehren kann
Wer aber Treu und Lieb´ gewann
das ist fürwahr der höchste Mann

Heil ihm ! der nicht allein auf dem Throne thront
heil ihm ! der auch in unseren Herzen wohnt
der uns gehört, wie wir ihm gehören
noch eh er uns ließ die Treue schwören


Der mit gleicher Lieb uns all umfängt
wie ein Vater an seinen Kindern hängt
der jede biedere Gesinnung ehrt
und sich an keine Verdächtigung kehrt


Den Leisetritt, Heuchler und Schmeichler fern hält
und nicht den Sklaven zum Wächter des freien Herrn stellt
der die Gewissen nicht belästigt, zwänget und schnürt
sondern jedem schützt und befestigt, was ihn zum Himmel führt


Der dem freien Worte lässet Bahn und Weg
und dem edlen Streben bauet Brück´ und Steg
der niemandem, der hier und dort zu spitz singt
oder zu Markte ein Scherzwort, einen Witz bringt


Sofort von seinem Ort oder Sitz zwingt
der in begeisterter Red in des Herzens Tönen
uns ermahnt, wir sollen dienen und frönen
doch nur dem Wahren, dem Guten und Schönen


Der nicht Kunst und Wissenschaft beschützt
weil sie dem Staat ist ehrenhaft und nützt
sondern weil sich die ganze Welt um diese Angel dreht
und die Menschheit mit ihnen gesellt nur vorwärts geht


Der mit deutschem Gemüte das Leben erfaßt hat
und die Kunst und Poesie bei sich zu Gast hat
und in die steten Herrschersorgen und Mühn
flicht der Häuslichkeit Rosen und Immergrün


Der in seinem Frieden trägt
und Frieden für alles hienieden trägt
und allen gern mit eigenen Händen
allen Lebensberufen und Ständen


Alle Güter des Glückes möchte spenden
der erkennt das Bedürfnis seiner Zeit
und übet Recht und Gerechtigkeit
und durch festen Willen und Rat und Tat


Einheit und Gedeihen bringt in Kirch und Staat
der versöhnet und wehrt, vermittelt und schlichtet
belohnet und ehrt, begnadet und richtet
Ein Mann in Taten, ein Held im Glauben


Klug wie die Schlangen, ohne Falsch wie die Tauben –
o daß er lange, lange regiere
noch lange den Thron seiner Väter ziere
Will er doch mit uns vereint
in guten und bösen Tagen,
will wider des Vaterlandes Feind
voran das Banner tragen


Er rufe, wir stehen mit ihm, wohlan
sein ganzes Volk, ein Herz, ein Mann
Wir sind bereit
für ihn hienieden
in jeder Zeit,
in Krieg und Frieden,
in Freud und Schmerz
ein Mann, ein Herz.
Hoch lebe ! Hoch !
der uns regiert und uns regierte,
Hoch lebe Friedrich Wilhelm der Vierte !

 Text: Hoffmann von Fallerlsleben , 10. November 1840 
Zum Breslauer Schillerfest veranstaltet von Zwecklose Gesellschaft

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