So mußt ich fliehn aus meiner Heimat

So mußt ich fliehn aus meiner Heimat –
nur meine Sehnsucht kreiste stumm,
wie der verjagte Adler kreiset,
um sein zerstörtes Nest herum.

Es wollte keine Hoffnung grünen
hinieden dem Verbannten mehr;
dem Heimatlosen blieb verboten
zur Heimat jede Wiederkehr.

Wie wehrend mit dem Flammenschwerte
vorm Paradies der Engel stand:
so wehrten Jahre lang Gensdarmen
den Eingang mir ins Heimatland.

Da scholl ein Glöcklein aus der Ferne:
Wach auf, mein Volk, im Freiheitsglück !
Und donnernd stürzte die Lawine
der Tyrannei ins Nichts zurück.

Und Frühling ward es aller Orten,
und Frühling ward es auch für mich,
und Blumen blühten in der Heimat,
und jede rief: wir grüßen dich !

Text: Hoffmann von Fallersleben – 1848
Siehe dazu Hoffmanns Autobiografie

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