Wo den Deutschen heißhungern wird, sich selbst kennen zu lernen

Hoffmann scheint zu wissen, was er will und verfährt nach Plan. Er sucht nach den Wurzeln, aus denen dann das vereinigte Deutschland wachsen kann: „Es hat sich in mir eine Reihe von Ansichten über deutsches Leben, deutsche Sprache, Kunst und Wissenschaft gebildet, die ich zu einem ganzen einen, zu einer großen Idee erheben, zu dem Zielpunkte meines ganzen Lebens hienieden stellen will. Mühsam habe ich das alles errungen, aus dem Wuste eingetrichteter Schulweisheit gerettet; aber ich nenne es mein, es ist mein eigenstes Besitztum.“ Er sammelt Lieder und Sprüche der Leute aus der Umgebung, kauft auf Märkten alte Drucke und Handschriften und stöbert in der Bücherei. Er träumt davon, alle „germanischen lebenden Sprachen“ mit ihren Mundarten nicht nur zu verstehen sondern auch zu sprechen. Unter der gesamten deutschen Philologie verstand er „das Gotische, Alt- Mittel- und Neuhochdeutsche, das Altsächsische, Niederdeutsche und Niederländische, das Friesische, Angelsächsische und Englische und das Skandinavische, ferner die deutsche Literatur und Kulturgeschichte , alles Volkstümliche in Sitten, Gebräuchen, Sagen und Märchen, sowie endlich Deutschlands Geschichte, Kunst, Altertümer und Recht.“ Er führte einen regen Briefwechsel mit Jacob Grimm, der ihn in seinen Ansichten bestätigt und baut sich eine eigene Bibliothek auf.
Ende 1819, an Jacob Grimm in Kassel

Die Philologie hat uns nur ein Viertel weniger geschadet als das Pfaffentum und wird uns noch hinfüro einen Klotz in den Weg legen, wenn wir nicht auf unserer Hut sind, diesen Sprachen eben die Grenzen anzuweisen, die jeder fremden zukommen. Nur dann erst wird ein schönes, vaterländisches Leben aufgehen. Der Gelehrte gehört dann nicht mehr wenigen Menschen an und seiner Bücherkammer, sondern seinen Zeitgenossen und einer fröhlichen Nachwelt. Das Volk aber wird, weil ihm die Schätze seiner Gelehrten, Sänger und Weisen offen stehen. leicht lernen, was zu seinem Nutz und Frommen, zu seiner Erquickung dienet. (Ihr Werk)…deutet auf eine Zukunft, wo den Deutschen heißhungern wird, sich selbst kennen zu lernen. (Briefe, S. 27)