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Wie fühl ich mich verloren hier (Weimar)

( Menschliches |   1850-1860)

Wie fühl ich mich verloren hier
an dieses Flusses Strand !
Die Welt verschwimmt im Nebel mir,
als wär´s ein Geisterland.

Ein Schatten irr ich still einher
wie in der finsteren Nacht;
Furchtsam mein Gang, mein Atem schwer,
nichts, was mir Freude macht.

Der Nebel schleiert alles ein,
soweit das Auge schaut.
Gestorben scheint die Welt zu sein:
Kein Sang, kein Klang, kein Laut.

Es hüllt in Trauer das Gefild
mit seinem kalten Hauch
und hält zurück im Wald das Wild,
den Vogel in dem Strauch.

Verschwunden sind in Nacht und Graus
die Wälder und die Aun.
Da ist kein Baum., kein Turm noch Haus
noch Mühle mehr zu schaun.

So war Mein Leben oft wie hier
in Nebel eingehüllt:
Kein Tag der Freude glänzte mir,
kein Hoffen ward erfüllt.

Und endlich kam ein Sonnenstrahl,
der Nebel bebt‘ und wich:
Tag ward es über Berg und Tal,
Tag ward es auch für mich.


November 1855



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Hoffmann von Fallersleben

Hoffmann von Fallersleben - Verfasser des Deutschlandliedes, seit 1922 die deutschen Nationalhymne. Autor von Kinderliedern, revolutionären Gedichten im Vormärz, Sprachforscher und Bibliothekar.

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